MUTTER MARIA DE LA CONCEPCIÓN DE SAN JAIME Y SANTA TERESA

 

HEILIGENTERESA DE JESÚS

PALMA DE MALLORCA (BALEAREN - SPANIEN)

BRIEF ÜBER DAS

TUGENDHAFTE LEBEN VON

MUTTER MARIA DE LA CONCEPCIÓN

DE SAN JAIME Y SANTA TERESA

(1905-1999)

L. D. Vque. M.

J.M. + J.T.

Das Herz Jesu

möge immer in unseren Seelen sein, geliebteMutter Oberin und Konvent:

Mit süßer Wehmut und zugleich intiefer Dankbarkeit und Freude teilen wir Euch mit, daß unsere so sehr geliebte MutterMa Concepción de S. Jaime y Santa Teresa de Jesús am 7. Februar1999 im Alter von fast 94 Jahren im Herrn entschlafen ist; sie hinterließ unseine Aureole sämtlicher Tugenden und den Duft der Heiligkeit. Wir sagen"mit süßer Wehmut", denn wie gerne würden wir immer mit dieser ganzdem Herzen Jesu hingegebenen Seele weiterleben! Und wir sagen "inDankbarkeit" Gott gegenüber, daß Er uns eine so lange Zeit mit ihrschenkte - sie lebte in diesem Taubenschlag der Jungfrau 70 Jahre lang und gabjeder von uns sowie der ganzen Gemeinschaft innere Kraft und Festigkeit;"mit Freude", weil wir sicher sind, daß sie im immel die höchste Glückseligkeiterfährt.HimmelHimmel die größte Glückseligkeit erfährt. 

            Maria de la Concepción de Olezay Gual de Torrella war die erstgeborene Tochter von Jaime de Oleza y de España,Oberstleutnant der Infanterie, und Maria de la Concepción Gual de TorrellaVillalonga. Ihr folgtenacht Geschwister. Ihr Vater, Don Jaime, war seinerseits der Erstgeborene unddamit Erbe seiner Familie.

            DIEVERWANDTSCHAFT

            Eshandelt sich um eine der angesehensten Familien unserer Stadt Palma, die mitKönig Jakob I. dem Eroberer nach Mallorca kam; eine sehr christliche,patriarchalisch ausgerichtete Familie mit festen Traditionen. Es ist eineerwähnenswerte Tatsache für unseren Orden, daß der berühmte Historiker derKarmeliter, Bruder Angelo Torrens, in seinem Buch "Die Berühmtheiten desKarmeliterordens" schreibt, daß der hochehrwürdige Ordensgeneral im Jahr1375, Bruder Bernardo, den einige Bernardino "Olense" nennen, ein Mitgliedder besagten Dynastie Oleza war und im Jahr 1379 in Brügge wiedergewählt wurde.

            Zurweiteren Ehre der Familie sei hier gesagt, daß der erste Bischof unserer InselMallorca ebenfalls einer ihrer Vorfahren war: Ramón Torrella.

            IhreEltern waren aufrechte und gute Christen, und alle Mitglieder der Familieglühende Verehrer der Heiligen Jungfrau Maria und des Herzens Jesu. Alle ihreTöchter tauften sie auf den Namen Maria und den einzigen Sohn auf den NamenMariano; er starb 1938 im Spanischen Bürgerkrieg ehrenvoll an der Front, als ereinem seiner Kameraden, der einen geringeren Rang bekleidete, das Lebenrettete.

            KINDHEIT

            Maria de la Concepción wurde am25. April 1905 geborenund am darauffolgenden Tag in der Pfarre Santa Eulalia auf die Namen MARIA DELA CONCEPCIÓN, MANUELA, JOSEFA Y DE TODOS LOS SANTOS getauft; ihr Rufname warMARIA.  Mit Charme erzählte sie uns, daßein Dienstmädchen sie so oft  "ratapinyada" (Fledermaus) nannte, daß die Kleine schließlich"da-ta-pi-nya-da" wiederholte, so wie es ihr eben möglich war. Fastein wenig kummervoll sagte sie zu uns: "Sie sehen schon, das erste Wort,das ich sagte, war "Fledermaus" - anstatt Jesus oder Maria.

            Am12. Juni 1907 wurde sie im Alter von zwei Jahren gefirmt.

            Schonvon klein auf wurden ihr Geist und ihre Starrköpfigkeit erkennbar. Eines Tagesbefahl ihr Vater ihr, ein Blatt Papier vom Boden aufzuheben, aber sie wollte eseinfach nicht tun, und als ihr Vater sie daraufhin ermahnte, reagierte sie soeigenwillig wie die kleine heilige Teresa. Sie weinte so sehr, daß ihr Vaterzur Abschreckung genau in diesem Moment ein Foto von ihr machte, damit sie sichso häßlich sehen und nicht mehr weinen sollte. Dieses witzige und originelleFoto befand sich lange Zeit in ihrem Haus, bis ihre Schwestern es vor kurzemzerrissen.

            IhreErste Kommunion empfing sie in der Kirche der MM. Reparadoras der Stadt imAlter von sieben Jahren.

            Injenem Haus wurden die  frommsten undallgemeinen Andachten praktiziert: Monat des heiligsten Herzen Jesu, Monat Mai,Allerseelenmonat, und Monat des heiligen Joseph. Jeden Abend versammelte sichdie Familie in jenem Stammhaus, um unter der Leitung des Großvaters gemeinsammit den Dienstboten den Rosenkranz zu beten. Nach dessen Tod übernahm ihr Vaterals ältester Sohn diese Aufgabe. Währenddessen machten sie Kelchtücher,Stickereien für die Meßgewänder, Posamentierarbeitenfür die Gürtel, Stickereien auf Seide und Weißwäsche.... etc. All das für dieHauskapelle. Da Maria noch zu klein war, um mit einer Nadel umgehen zu können,gaben sie ihr keine Arbeit. Daraufhin protestierte sie energisch, indem sie zumir sagte: "zu mir nichts, nichts, nichts". Als sie größerwurde, half sie sehr wohl dabei, Dinge für die Kirche zu machen, und man gabihr Arbeiten wie ihren Tanten und den Älteren; dann war sie glücklich, denn esgefiel ihr nicht, untätig zu sein.

            Diedrei älteren Schwestern gingen niemals zur Schule, sondern wurden zu Hause vonErzieherinnen unterrichtet. An den Vormittagen lernten sie, nachmittags hattensie frei und konnten jeden Tag mit ihren Cousins spielen. Sie führten ein sehrintensives Familienleben.

             FEHLER IN DER JUGEND 

            Wirmöchten hier bewußt auf alle ihre Fehler hinweisen und haben daher ihreFamilienangehörigen gebeten, uns diese zu nennen, damit man sehen kann, was dieGnade Gottes - gemeinsam mit ihren persönlichen Anstrengungen - in ihrbewirkte. Es ist mehr; es fällt uns wirklich schwer, ihr all dieseEigenschaften zuzutrauen, von denen man uns erzählt hat; sie erscheinen unsnahezu unwahrscheinlich, da wir sie doch im Konvent erlebt haben, wie sieheroisch und wie selbstverständlich die den beschriebenen Eigenschaften genauentgegengesetzten Tugenden praktiziert hat. Gesegnet sei der Herr, der an denSeelen, die sich Ihm wahrhaftig hingeben, große Werke vollbringt.

            Mariawar also ein sehr braves Kind, fromm und bescheiden, aber damals weder heilignoch perfekt. Einer ihrer hervorstechenden Fehler war, daß ihr das morgendlicheAufstehen sehr schwer fiel. Der Wille und die wiederholt gefaßten gutenVorsätze waren da, doch sie nützten nichts.

            Dasie eine große Begabung für die Malerei zeigte, kam der berühmte PorträtmalerDon Vicente Furió täglich zu ihr nach Hause, um sie in der Ölmalerei zuunterrichten. Der Professor zeigte ihr, wie man Stilleben malte, doch Mariagenügte das nicht, sondern sehr bald versuchte sie sich in der Porträtmalerei.Und sie tat dies mit solchem Erfolg, daß Don Vicente selbst alarmiert war undbefürchtete, seine "Kunden" an sie zu verlieren. Sie bemerkte sofort,was vor sich ging und sollte uns später bescheiden und ehrlich erklären: "Undvon da an wollte er mich nicht mehr unterrichten". Sie malte unteranderem ein meisterhaftes Ölbild: die Übergabe der Säule an den heiligen Jakob(ihr Vater hieß Jakob); eine ausgezeichnete und originelle Komposition von ihr,in der sie es verstand, die Jungfrau der Dreifaltigkeit von Velázquez mit denEngeln auf verschiedenen Bildern von Murillo und anderen zu kombinieren; undgleichzeitig fügte sie kleine Engel hinzu, bei denen es sich um die Porträtsvon ihren eigenen Verwandten handelte, wie zum Beispiel von ihrer kleinenSchwester, die im Alter von zwei Jahren verstorben war.

            Wirhaben erwähnt, daß ihr das Aufstehen morgens sehr schwer fiel. Und so war es.Sie schaffte es einfach nicht, pünktlich aufzustehen. Erst wenn Don VicenteFurió an der Eingangstür klopfte, erst dann, und nicht vorher, stand Mariaschnell aus dem Bett auf. Sie hatte noch einen Fehler: Wenn der Malunterrichtzu Ende war, reinigte sie niemals die Palette. Irgend jemand sagte, daß sienicht einmal die Pinsel säuberte. Aber eines schönen Tages tat sie es doch, undvon da an immer. Dies war ein Detail, das der Professor bemerkte, weil es seinebesondere Aufmerksamkeit erregte, und damals schon war ihm klar, daß seineSchülerin "Klosterschwester werden würde". Was für ein Aufatmen mußdas für ihn gewesen sein! Sie würde  ihmnicht mehr Konkurrenz machen.

            WEITEREFEHLER

            Obwohl Maria ein sehr guter Menschwar, hatte sie, wie bereits erwähnt, beträchtliche Fehler, vor allem in denAugen ihrer eigenen Schwestern, die mit ihr zusammenlebten. "Sie war nichtdemütig, sondern vielmehr sehr stolz. So antwortete sie nicht, wenn man sietadelte, sondern hob ein wenig den Kopf mit einem Ausdruck der Überlegenheitund machte, was sie wollte“.

            Sie war, wie die heilige Mutter,außerordentlich am Lesen interessiert. Sie laß ohne Unterlaß einen Roman nachdem andern. Tatsächlich vermittelten diese auch moralische Werte. Es waren guteBücher aus der Katholischen Bibliothek, einige religiösen Inhalts. Was aber möglicherweiseweniger gut war, war ihre extreme Begeisterung fürs Lesen. In jener Zeitkümmerte sie sich um ihre kleine Schwester, die ihr Patenkind war. Und damit diese sie in Ruhe nach Belieben lesenließ und nicht weinte, fertigte sie ihr eine "Puppe" aus Zucker als eine Art Schnuller an. Siebefahl den Dienstmädchen, die sich imUntergeschoß befanden: "BringtZucker herauf". Sie legte den Zeige- und Mittelfinger auf jedesAugenlid der Kleinen, damit diese einschlief, während sie den Zucker lutschte.Unterdessen konnte sie ungestört lesen. Auf diese Weise kam es dazu, daß dasarme Opfer seine Zähne verlor.

            Andererseits fühlte sie sich alsälteste von neun Geschwistern als der Boss undwollte alle unter ihrem "Kommando" haben; doch es gab die eine oderandere unter ihren älteren Schwestern, die sich ihr nicht so leichtunterordnete. Außerdem war sie egoistisch und faul: "Wenn es zum Beispiel einen freien Lehnstuhl gab, ließ sie michnie darauf niedersetzen, sondern setze sie sich immer selber hin",erzählt die selbe Schwester. Wie dankbar sindwir für diese vertraulichen Mitteilungen, die so sehr dazu beitragen, daß wirGott preisen und unsere eigenen Unzulänglichkeiten überwinden können! Wenn sie, durch die Gnade Gottes, esgeschafft hat, warum nicht auch wir?

            EINFÜHRUNG IN DIEGESELLSCHAFT

            Obwohl es normalerweise erst mit 18Jahren geschah, wurde Maria schon im Alter von 16 Jahren in die Gesellschafteingeführt. Das bestand vor allem darin, daß ihr Haar zu einem Knoten im Nackenzusammengebunden wurde und sie Schuhe mit Absätzen erhielt. Von da an nahm siean den gesellschaftlichen Festen teil und begann, in der vornehmen Gesellschaftihrer Zeit zu verkehren. Wir haben Fotos, auf denen Maria auf den Festen des Vereins „Círculo Mallorquín“ ihre schönste Festkleidungund aufwendige Maskenkostüme trägt. Sie ging auch zu Theatersingspielen,Opernaufführungen etc., kurzum zu allem, was sich anbot. Sie hatte ein sehrbescheidenes Naturell und war in bezug auf ihre Kleidung und ihr Handeln sehrgeradlinig. Auf der anderen Seite ließ ihr Vater sie niemals tanzen.

            Bis jetzt haben wir nichts über ihrÄußeres gesagt: Sie war von mittlerer Größe, hatte eine extrem feine und zarte,sehr weiße Haut, blaue Augen und rötliches Haar. Es war sehr schwierig, füreines der Maskenkostüme, nämlich das des "Edelfräuleins",künstliche  Korkenzieherlocken in derFarbe ihres Haares zu finden. Schließlich gelang es doch. Nach den Fotos zuschließen (auf einigen mit dem Gehabe einer Königin), gefiel es Maria ammeisten, gut auszusehen. Später, im Konvent, erzählte sie uns oft mit großemErnst, daß sie sich für häßlich hielt (und um die Wahrheit zu sagen, das warsie keineswegs); aber dachte sie auch so in jener Zeit der vielen Feste?

            Sie war sehr sportlich: An denSommernachmittagen spielte sie mit Freunden der Familie Tennis in irgendeinemder Anwesen, die diese hatte, und das waren viele. Oder sie ging zum Schwimmen,wenn sie in dem nahe dem Meer gelegenen Landhaus war, "Corp Mari" genannt. Aber der Sport,in dem sie sich vermutlich am meisten auszeichnete, war das Reiten. Diejenigen,die sich an sie erinnern, erzählen uns, daß sie eine großartige Reiterin war(im Damensitz, mit beiden Beinen auf derselben Seite). "Sie ritt mit großer Eleganz wie niemand sonst"; siegewann sogar einige Preise bei Reitwettkämpfen unterFreunden. Sie zeichnete sich auch im Springreitenaus, wobei einige der Hindernisse so schwer waren, daß sich nur sehrwenige darüber trauten.

            So wird es ihr ganzes religiöses Leben lang sein. Angetrieben von einerbrennenden Liebe zum Herzen Jesu und dem Wunsch, Ihn nicht zu enttäuschen, wirdsie all ihre Willenskraft und Intelligenz aufbieten, um mit Vertrauen undNatürlichkeit die höchsten und schwierigstenHürden zu bewältigen, die Gott ihr im Laufe ihres langen Lebens in den Weglegt, um sie auf den Gipfel der Vollkommenheit zu führen.

            Da sie eine so gute Reiterin war,wurde sie eingeladen, an einem der ersten mallorquinischen Filme teilzunehmen,der von einem ihrer Verwandten gefördert und gedrehtwurde; er hatte den Titel "Das Geheimnis der Pedriza"und war ein Film über mallorquinische Bräuche; in diesem Film ritt Maria. Aberder beste Film, den sie in ihrem Leben drehte, war jener, in dem sie 93 Jahrelang die Hauptrolle spielte und dessen Regisseur und Produzent Gott selbst war.

            Im Alter von 21 Jahren begleitetesie ihre Mutter nach Rom, und sie hatten die große Freude, vom Heiligen Vaterempfangen zu werden. Beide trugen das traditionelleschwarze Kostüm und waren mit der "peineta" (Zierkamm) elegantgeschmückt. Seine Heiligkeit erteilte ihr und ihrer Familie denApostolischen Segen mit dem Generalablaß "in derSterbestunde, selbst dann, wenn sie nicht mehr beichten und die heiligeKommunion empfangen könnten, jedoch voller Reue in Worten oder im Herzen denheiligsten Namen Jesu aussprechen würden“.

             Sie besichtigten die Katakomben und dieheiligen Stätten. Wie gut erinnerte sie sich später daran und mit welcherVerehrung! Aber nicht alles waren Andachten. In Rom sah sie eine sehr teure Spitze, die sie begeisterte. Sie bat ihreMutter, sie ihr zu kaufen für den Tag ihrer Hochzeit. "Wenn der Schwiegersohn mir gefällt",antwortete ihr diese.

            In Rom lernte sie einen Minoritenkennen, einen Verwandten des seligen Bruders Junipero Serra, Mallorquiner ausPetra, berühmter Missionar in Kalifornien. Später haben sie einen geistigen Briefwechselgeführt.

EINE VOLKSMISSION.MARIA STÜRZT VOM PFERD

Wirbefinden uns in der Fastenzeit des Jahres 1927; Maria ist 22 Jahre alt. Siehatte alles, was ein junges Mädchen auf dieser Welt sich wünschen kann. Sielebte ruhig und genoß ihrer Jugend, als in Palma eine berühmte Volksmissionabgehalten wurde; geleitet wurde sie von Jesuiten, Franziskanern, Missionarender heiligsten Herzen und Kapuzinern, aufgeteilt auf die Kathedrale und dreigroße Pfarreien dieser Stadt, die vollkommen in Bewegung war. Große und Kleine, Reiche undArme, die Bevölkerung war ergriffen und nahm teil an den verschiedenenVeranstaltungen und Predigten der leidenschaftlichen Missionare. VieleBerufungen resultierten aus dieser berühmten Mission. Auch Maria durfte dabeinicht fehlen, aber niemals hätte sie damit gerechnet, daß Gott sie wie denheiligen Paulus vom Pferd oder vielmehr aus dem Bett reißen würde, von wo das"Herausreißen" noch schwieriger war.

Daserste Opfer, das das Herz Jesu von "Maria, der Langschläferin",verlangen sollte, war, zu einer Stunde aufzustehen, von der sie nie geträumthätte und zu der sie in ihrem ganzen Leben noch nicht aufgestanden war: um 5:30Uhr morgens! Wir wissen ja schon, wie schwer es ihr fiel, morgens aufzustehen.Sie strengte sich an, hatte gute Vorsätze, aber alles war zwecklos. Es bedurfteeiner besonderen Gnade, diese Faulheit zu überwinden. Und diese Gnade erfuhrsie durch die Jungfrau Maria.

DieMission begann mit dem Rosenkranzgebet bei Sonnenaufgang, und Maria, die eineso glühende Verehrerin der heiligen Jungfrau war, wollte daran teilnehmen; dasie sich aber absolut unfähig sah, schon um 5:30 Uhr aufzustehen, wandte siesich voller Vertrauen an die Jungfrau, damit diese persönlich ihr helfen möge.Und hier wartete auf sie diese unvergleichliche Mutter.Von diesem Moment an verstand das jungeMädchen für ihr ganzes Leben - und das war eine der Gnaden, die sie für immerauszeichneten -, daß ihre eigenen Anstrengungen allein nicht genügten. Essollte vor allem immer mit der Hilfe Gottes rechnen. Die Jungfrau hatte ihr dieGnade bereits gewährt.

Ab diesem Zeitpunkt war sie für immer die pünktlichstePerson, die man sich vorstellen kann; es begann mit dem morgendlichen Aufstehenim Kloster, was nicht immer so einfach ist. Zum Aufstehen zu läuten undvon der Pritsche zu springen, war eins. Und das ein ganzes Leben lang. Mehrnoch, viele Jahre hindurch wird sie vor der Gemeinschaft aufstehen, um sie mitLäuten zu wecken. In dieser Mission gewährte ihr die Muttergottes nicht nurdie Gnade, früh aufstehen zu können, sondern schenkte ihr auch durch denPrediger P. Iñesta, S. I., die religiöse Berufung. Die Jungfrau ist immer sodankbar, selbst wenn wir ihr nur ein ganz kleines Opfer bringen. Wenn sieunsere Liebe und unseren guten Willen sieht, dann überschlägt sie sich darin,uns beizustehen.

MARIA, DIE KATECHETIN

Schondamals hatte sie einen ausgeprägtenmissionarischen  Geist. Während sie ihren beiden kleinen Schwestern, Mercedesund Blanca sowie ihrer Cousine Anna Religionsunterricht erteilte, machte sieihnen klar, daß die Katholiken in Mexiko unter einer großen religiösen Verfolgunglitten, weshalb sie sehr brav sein und für sie beten sollten.

Umihnen außerdem die Liebe zur Jungfrau einzuprägen, lehrte sie sie das Gesegnetsei deine Reinheit und auch, abends und morgens dreimal das Gegrüßetseist du Maria zu beten. Außerdem brachte sie ihnen andere alltäglicheGebete bei: Der Schutzengel, Das Glaubensbekenntnis, das Ichbekenne für eine gute Beichte... Wenn Maria sich bei diesem Unterrichtdurch ihre große Geduld auszeichnete, so stachen die kleinen Schülerinnendadurch hervor, daß sie unstete Teufelchen waren.         Maria bewunderte und respektierte ihre Eltern sehr und hattezugleich ein Vertrauen zu ihnen, das vielleichtnoch größer war. Ein Beweis dafür ist, daß die erste Person, der sie dasGeheimnis ihrer religiösen Berufung anvertraute, ihre eigene Mutter war.

IHRE SCHWESTERN HABEN ES BEMERKT

 

Sobald sie sich ihrer Berufung bewußt wurde,entschloß sie sich, ihr Leben von Grund auf zu ändern und begann entschlossen,den Berg der Heiligkeit zu ersteigen. Den ersten Schritt setzte sie, indem sieauf Feste, Theaterveranstaltungen und andere Ereignisse, an denen sieteilzunehmen pflegte, verzichtete. Das merkte eine ihrer Schwestern, die mitihr auszugehen pflegte, sofort; sie zeigte auf sie und sagte zu ihrer Mutter:"Die wird Klosterschwester werden" - was das junge Mädchen, ohne zuüberlegen, bestätigte.

Selbst eine der Kleinsten, Mercedes (einesdieser Teufelchen, das Maria den Katechismus lehrte und das damals etwa fünfJahre alt war), bemerkte die Veränderung. Denn während die Schwester sieunterrichtete, hatte der kleine Schlingel die brillante Idee, ihr die Spangen,die sie im Haar trug, wegzunehmen und ihr damit den Knoten total zu lösen.Maria aber wurde seltsamerweise nicht böse, während sie die Kleine früher mitSicherheit ordentlich gescholten hätte.

Selbst den Dienstmädchen entging dieVeränderung nicht, denn entgegen ihrer Gewohnheit begann Maria, ihnen dabei zuhelfen, die ziemlich großen Wasserkrüge vom Brunnen beim Eingang bis ins dritteund auch vierte Stockwerk hinaufzutragen, wo sich die Schlafzimmer befanden.

DAS GEHEIMNIS IHRESLEBENS: DAS VERTRAUEN IN DAS HERZ JESU

Wie jeder Mensch, der daran glaubt, nur miteigener Anstrengung den Gipfel erreichen zu können, stolperte auch Maria sehrbald.

Sie hatte, wie bereits erwähnt, den festenVorsatz gefaßt, ab jenem Moment ihrer Bekehrung niemals mehr an weltlichenVergnügungen teilzunehmen; sie hatte absolut keine Zweifel und war festentschlossen. Sie war einfach aufgrund der Tatsache, daß sie sich dies so festvorgenommen hatte, überzeugt, daß sie diesem Vorsatz ohne weiteres treu bleibenwürde. Es schien ihr unmöglich, etwas, das sie so ernsthaft und mit all ihrenKräften beschlossen hatte, nicht einzuhalten.

Aber so war es in der Tat nicht. Als einesTages ein gesellschaftliches Ereignis stattfand, beschloß Maria, treu ihremfesten Vorsatz und im Vertrauen auf sich selber, nicht daran teilzunehmen. IhrGroßmutter, die sie auf das Fest vorbereitete, zeigte ihr einen prachtvollensilberdurchwobenen Stoff für ein Paar Schuhe; denStoff sehen und schwach werden, war eins. Und so ging sie kurzerhand zu demFest. Aber wieso? Wo war ihr fester Vorsatz geblieben? Genügte ein einfachesStück Stoff, wie schön auch immer es war, um sie  von ihm abzubringen?

Dieses Ereignis prägte ihr Lebenfür immer. Es verlieh ihr ab diesem Zeitpunkt eine so tiefe und tiefempfundeneDemut des Herzens, daß sie die Wahrheit in den Worten Jesu verstehen konnte:"Ohne mich seid ihr nicht in der Lage, etwas zu tun." Und von da anbegann sie, in ihrem Leben keinen einzigen Schritt zu tun und auch keineneinzigen Vorsatz zu fassen, ohne voll und ganz auf das Herz Jesu zu zählen,ohne sich vorher mit vollem Vertrauen diesem göttliche Herzen und seinemErbarmen hinzugeben. Sie war sich dessen bewußt, daß sie alleine gar nichts tunkonnte außer zu stolpern.

Als Beweis sei erwähnt, daß sievon da an, sobald sie irgendeinen Vorsatz faßte, immer demütig die Wortehinzufügte: "Aber ich weiß, daß Du, Herz Jesu, es bist, der mich ihnerfüllen läßt", denn sie wußte ganz genau, daß sie ohne Seine Hilfeunweigerlich scheitern würde. Das hatte sie ein für alle mal verstanden. Jetztkonnte sie wirklich den Berg der Heiligkeit erklimmen, ohne Gefahr zu laufen,hochmütig zu sein. Es erinnert uns an die Worte der heiligen Mutter: „Teresaist ein Taugenichts, aber Jesus und Teresa sind alles und können alles.“

Ihr Vater, der Maria gegenüberwegen ihrer geringen Ausdauer oft den bekannten Ausspruch tat: "Du beginnst alles wie ein Pferdund beendest es wie ein Esel“. Von jetzt an wird er sagen können: "Mit demHerzen Jesu wird sie im Galopp beginnen und schwungvoll ans Ziel kommen".

KURZ VOR DEM EINTRITTINS KLOSTER

Eines Tages hörte Mercedes einen Mann auf derStraße ein grobes Wort sagen. Sie wiederholte es, und Maria in ihrer aufrechtenArt wollte sie korrigieren. So organisierte sie einen Wettlauf. Die Kleine, dieAngst hatte vor dem Tadel ihrer älteren Schwester, begann so schnell sie konntezu laufen, und Maria lief ihr sofort nach. Das kleine Teufelchen flüchtete unterden Eßzimmertisch, und als Maria sie erwischte, stopfte sie ihr Salz in denMund, damit sie nie wieder häßliche Wörter sagen sollte.

Als sie ihrem Vater erklärte, daß sie in denKarmeliter-Orden eintreten wolle, schickte er sie zu Pater Martin de Jesús MariaC. D., dem Gründer und langjährigen Prior des Klosters in Palma, um sich vonihm prüfen zu lassen, ob es sich bei ihr um eine wahre Berufung handelte.Nachdem er mit ihr gesprochen hatte, blieb Pater Martin nichts anderes übrig,als ihrem Vater zu sagen, "daß nicht nur die Berufung seiner Tochter einewahrhaftige sei, sondern daß sie auch - zur Verwunderung ihres Vaters - sehrbald zur Priorin bestellt werden würde". Später, als seine Worte sichbewahrheiteten, sollte eben dieser Pater Martin hinzufügen: "Das warkeineswegs eine Prophezeiung, denn es war etwas, das insAuge sprang bei diesem jungen Mädchen, das so gute Anlagen hatte und so vielversprach."

Wirkennen die inneren Veränderungen ihrer Seele nicht genau, sehr wohl aber einigeihrer äußerlichen Veränderungen, wie man vorher gesehen hat. Auf Fotos, dienach ihrer Bekehrung entstanden, fällt aber auf, daß der Blick von Maria einenFrieden und eine engelhafte Reinheit ausstrahlt, die uns erkennen lassen, wassie damals schon in ihrer Seele trug.

Aufdem traditionellen Foto, das die Anwärterinnen vor ihrem Eintritt in das  Kloster ineinem professionellen Fotostudio anfertigen ließen, gab es immer größere oderkleinere "Schönheitsfehler": Die heilige Teresa der Anden zumBeispiel setzte sich den Nonnenschleier verkehrtauf. Auch bei Maria gab es eine Unachtsamkeit: sie hatte vergessen, ihre Ringeabzunehmen.

Esgibt immer genug Leute, die es sich zur Aufgabe machen, diejenigen, diebeschlossen haben, sich Gott ganz hinzugeben, zu entmutigen. Als ein Priestererfuhr, daß sie in das Kloster eintreten wollte, riet er ihr: "Schau, einejunge Dame wie dich wird die Gemeinschaft mit Sticheleien verletzen, das heißt,sie werden dir das Leben unmöglich machen". Doch nichts schreckte sie ab.Später, fast schon am Ende ihres Lebens, als sie uns diese Begebenheiterzählte, sagte sie voll Bescheidenheit und Nächstenliebe für die Gemeinschaft:"Niemals hat mich jemand verletzt".

EINTRITT INS KLOSTER

Am24. Oktober 1928, dem Tag des Erzengels Raffael, trat Maria ins Karmelkloster von Palma de Mallorca ein. Sie war damals 23Jahre alt. Diesen bestimmten Tag wählte sie, damit der heilige Erzengel sie aufihrem Weg führen möge. Immer würde sie eine besondere Verehrung für ihnempfinden.

Ihr Vater brachte es nicht über sich, seineErstgeborene bis an die Pforte des Klosters zu begleiten, und obwohl er einguter Christ und tapferer Offizier war, reichten seine Kräfte nicht aus. Siewurde von ihrer Mutter und einigen ihrer Schwestern begleitet. Trotzdem werdenMaria ihr ganzes Leben lang - wie ein ständiger Ansporn- die Worte ihres Vaters gegenwärtig sein: "Wenn du keine Heiligebist, gibt es keinen Grund, uns zu verlassen..." Wie schwer fiel Don Jaimediese Trennung! Ja, nur zu diesem Preis war es dem adeligen Herrn möglich,seine liebreizende Tochter "loszulassen". Er hatte sich solcheIllusionen in  bezug auf sie gemacht! Niemals wird Maria diese seine Wortevergessen können. Sie waren ihr für immer Verpflichtung.

Sie liebte ihre Familie sehr und betete fürsie, benutzte sie jedoch niemals, um mit ihr anzugeben oder sich selbst mehrBedeutung zu geben. Viele Jahre später wird sie zu einer ihrer Verwandten, dieebenfalls Klosterschwester war und sie an die gehobene Stellung, die sie inihrer bisherigen Welt eingenommen hatte, erinnern wollte, sagen: "Sprechen wir niemals vonder Familie. Denken wir daran, daß der Herr alles zurückließ und der König derKönige war. Je mehr wir uns von unserem Selbst lösen, um so mehr wird Er unsmit seiner Liebe erfüllen." Vom ersten Augenblick ihres Eintritts an versuchte sie, in diesemGeist und uneigennützig ihr ganzes Leben als unbeschuhte Karmelitin zu leben.

Wie alle Anwärterinnen, befahl dieLehrmeisterin eines Tages auch ihr, sich auszuruhen, während die Gemeinschaftauf dem Chor blieb. Diese Anordnung gefiel Maria überhaupt nicht, denn vonAnbeginn an nahm sie die Ordensregeln sehr ernst und wollte kein Opfer für dasHerz Jesu auslassen. Sie bat die Meisterin, dableiben zu dürfen, doch als ihr das verweigert wurde, fragte sie sich: "Was ist für den Körperbesser? Auf dem Chor zu bleiben oder schlafen zu gehen? Schlafen zu gehen. Undwas ist für die Seele besser? Zu gehorchen oder seinen eigenen Willendurchzusetzen? Zu gehorchen." So ging sie zufrieden schlafen, um den Willen Gottes zu erfüllen. Undzerbrach sich nie mehr den Kopf darüber.

NOVIZIN. IHR ORDENSNAME

Am 25. April 1929, ihrem 24. Geburtstag,legte Maria das von ihr so ersehnte Ordensgewand an. Der Name, den sie alsunbeschuhte Karmelitin tragen wollte, war: MARIA TERESA DEL CORAZÓN DE JESUS. Er bedeutete alles, was sieverinnerlichte und in ihrem neuen Leben verkörpern wollte. Maria: ihrezärtliche Mutter, die sie immer so sehrgeliebt hatte und deren Namen sie seit ihrer Taufe trug. Teresa: die ihrdas Charisma ihrer Reform und den Weg der Vollkommenheit zeigte. Wie gut würdesie im Geist unserer heiligen Mutter insämtlichen Facetten des religiösen Lebenslebendig bleiben! Des Herzen Jesu: Sie lebte nunmehrnur durch seine Liebe, zu seinem Ruhm, um ihm zu gefallen, ihm Seelenzuzuführen... dafür war ihr nichts zu viel.

Obwohl dieser Name Marias Wunsch gewesenwäre, gaben sie ihr ihn nicht, sondern nannten sie MARIA DE LA CONCEPCIÓN DE SAN JAIME Y SANTA TERESA. So behielt sieden vollständigen Namen, auf den sie getauft worden war und der gleichzeitigauch der Name ihrer Mutter war. San Jaime nahmen sie aus Achtung für ihren Vater in den Namen auf.

Die Novizenmeisterin lehrte sie, wie sieimmer und überall danach trachten sollten, niemals ihren eigenen Willen durchzusetzen."Sie müssen immer das Gegenteil von dem machen, was Sie eigentlichwollen." Die Novizin sagte nichts, dachte jedoch bei sich: "Ich werde immer das tun,was ich will. Denn ich will nie etwas anderes tun als den Willen Gottes. Alsowerde ich immer das tun, was ich will."

Schon im Moment ihres Eintritts hätte siedie Ordensgelübde ablegen können, so klar war ihre Vorstellung vomKlosterleben. So wie bei der kleinen hl. Teresagab es nichts, was sie überrascht hätte. Sie wunderte sich über nichts. Sie erteiltesich selbst die Weisung: "Ich muß so handeln, daß alle anderen es mir gleichtunkönnen." Aufwelch bewundernswerte Weise lebte sie 70 Jahre ihres Klosterlebens nach diesemGrundsatz! Sie war wirklich ein Spiegel der Treue, in dem wir uns betrachtenkonnten.

Sie wurde nicht müde, Gott für ihre Berufungzur unbeschuhten Karmelitin zu danken. In einem Brief an eine ihrer Tantenschreibt sie: "Ichglaube, wenn ich tausendmal die Wahl hätte, würde ich tausendmal dieselbe Wahltreffen."

Noch als Novizin empfing sie einegeheimnisvolle, sehr bedeutsame mystische Gnade,von der wir niemals genau ergründen konnten,worin sie bestand. Das einzige, was wir ihr entlocken konnten war, daß es sichum ein sehr intensives inneres Gefühl handelte, ähnlich dem Feuer, das dieheilige Teresa empfing. Daraufhin erklärte sie dem Herrn, daß sie nur aus demreinen Glauben heraus leben wolle und bat Ihn inständigst darum, daß Er ihralle Freuden auf einmal im Himmel und nicht auf Erden schenken möge.

Man beauftragte sie,für die Kirche ein großes Ölbild der heiligen Teresa Margarita von ungefähr 2 x 1,50 m Größe zu malen. DieKlostergemeinschaft wollte, daß ihr Vater die Patenschaft dafür übernahm. DonJaime wollte sich vom künstlerischen Wert der Malerei seiner Tochter überzeugen,denn er war nicht bereit, sich lächerlich zu machen. Und bat ihren altenMallehrer, Don Vicente Furió, um seine Meinung; dieser versicherte dem adeligenHerrn nach Begutachtung des Bildes, daß es sehr gut gelungen sei. Erst dannübernahm dieser, sehr stolz, die Patenschaft.

Don Jaime sandte seiner Tochter ein kurzes Briefchen, das diese ihr Leben lang in dem Buch derRegeln und Anordnungen aufbewahrte. Darin hießes: "Geliebte Tochter: Ich habeüber das Leben der neuen seligen Karmelitin gelesen, die du malen sollst, undes hat mir sehr gefallen; denke beim Malen daran, daß sie wie du rotes Haar hatte und trachte danach - da ihreinander schon in bezug auf das Haar ähnlich seid - ihr auch hinsichtlich derHeiligkeit und der Beachtung der Ordensregeln ähnlich zu werden. Es umarmt dichdein Vater, der dein Bild gerne bezahlen möchte."

Ja, sie ähnelten einander äußerlich undauch, was die Einhaltung der Ordensregeln und Statuten betraf. Die jungeSchwester Maria Concepción  würde füralle eine Säule des Gehorsams und der Treue bezüglich unserer Heiligen Gesetzesein.

 

GELÜBDE

 

Am 26. April 1930, einen Tag nach ihrem 25.Geburtstag und am Jahrestag ihrer Taufe legte sie für einen Zeitraum von dreiJahren die Gelübde ab; und drei Jahre später, am gleichen Tag, ihre FEIERLICHENGELÜBDE ab: ohne Einschränkung, bis zum Tod.  Wir möchten diese Worteausdrücklich hervorheben, denn ihr ganzes Leben lang sollte sie diese immerwiederholen, wenn wir sie irgendwie entlasten wollten. "Als ich meine Gelübdeablegte, tat ich dies ohne Einschränkung, bis zum Tod", wiederholte sie unweigerlich.

Wie wir bereits erwähnten, war sie von Tagihres Eintritts in das Kloster von einer "entschlossenenEntschlossenheit"; und mit der Zeit wurde sie "immerentschlossener" bis sie zu einer herausragenden Persönlichkeit an Tugendund Heiligkeit wurde, zu einer vollkommenen Karmelitin, in der sich eine seltenzu findende Bereitschaft zur Buße, Einhaltung der Regeln und Heroismusvereinigten.

GEHORSAM  AUS DEMGLAUBEN HERAUS

Eine ihrer ersten Aufgaben bestand darin, inder Sakristei zu helfen. Die erste Mesnerin war eine äußerst entschlosseneSchwester. Die gute Schwester hatte die Idee, die freien Stunden an denExerzitien- oder Einkehrtagen dazu zu verwenden,  Blumen und Zweige aus Papier zumSchmuck der Altäre herzustellen und sie befahl ihr, dies zu tun. SchwesterConcepción erschien es nicht gerade opportun, diese Zeit  - die sie dafür hätte verwenden können,  über die Predigten nachzudenken - für einesolche Arbeit, die sie für unnötig hielt, zu verwenden; und es kostete sieinnerlich Mühe zu gehorchen. Aber sie machte aus der Not eine Tugend, wieunsere heilige Mutter sagt, und mit dem reinen Blick auf den Glauben gab sie sich mit all der Liebe, derer sie fähig war,der Aufgabe hin, in solchen freien Stunden die Blumen herzustellen, denn siewar sicher, daß es das war, was Gott in diesem Moment von ihr erwartete. DerHerr belohnte ihre Bemühungen, Ihm zu gefallen und Seinen Willen zu tun, nichtnur dadurch, daß es ihr überhaupt nicht schwer fiel, sondern, im Gegenteil, ihrdiese Arbeit eine große innere Freude bereitete. Dies erzählte sie uns später,um uns zu helfen, immer aus dem Blickwinkel des Glaubens heraus zu leben und inallem was man uns anschaffte, den Willen Gottes zu sehen, selbst wenn esmanchmal sogar falsch war.

Sieerzählte uns, wie sie bemüht war, jeder Schwester zu gehorchen, auch wenn siejung war und ihr gegenüber überhaupt keine Autorität besaß. So sagte ihr zumBeispiel eines Tages eine junge Schwester, die niemandem etwas anzuordnenhatte, daß sie ein bestimmtes Zimmer nicht betreten dürfe ohne den äußeren Rockzu schürzen. Sehr wohl wußte M. Concepción, warum das früher so gewesen war;doch damals, als die Schwester es zu ihr sagte, hatte es keinen Sinn mehr, denndie Umstände hatten sich geändert und keine Schwester schürzte mehr den Rockbeim Eintreten. Da es hier jedoch nur um den Sieg über sich selbst und ihreeigene Demut ging, erinnerte sie sich dennoch immer an den Hinweis jenerSchwester und befolgte diese Anordnung ihr Leben lang, sogar noch nach dem Todbesagter Schwester. Dies tat sie bis zu ihrem 87. Lebensjahr, als die Priorindavon erfuhr und diesen "Befehl" aufhob. So weit ging sie in derÜberwindung ihrer Vernunft und in ihrer Demut! Man sagte ihr auch, daß sie denRock schürzen müsse, um in den Garten zu gehen. Niemand sonst tat das, doch siehielt sich bis an ihr Lebensende an diese Anweisung

Andererseitsmischte sie sich bei den anderen niemals ein, denn sie hatte gelesen, daß sicheine Schwester niemals in die Pflichten der anderen einmischen sollte, selbstwenn es sich um etwas so Banales handelte wie das Schließen eines Fensters. Inihrem Denken waren die "Warnungen und Anweisungen an einenOrdensangehörigen" unseres Heiligen Vaters, dessen treue Tochter sie war,präsent, und sie befolgte diese ohne Einschränkung. Und der Hinweis unsererheiligen Mutter: "Lassen Sie außer acht, was sie sehen und üben Sie sichin der gegenteiligen Tugend."

NachBeendigung des Noviziats wies man ihr, nunmehr bereits Nonne, eine Zelle zu,die sie für den Rest ihres Lebens bewohnen sollte. Hinter der Tür befanden sicheinige Haken, wo sie etwas aufhängen konnte. Beim ersten Hinsehen schonerschienen es ihr zu wenige zu sein, weshalb sie um Erlaubnis bitten wollte,einige mehr anbringen zu dürfen. Aber ihre Sicht desGlaubens und ihre tiefe Bereitschaft zurBuße halfen ihr, nicht um das zu bitten, was sie für notwendig hielt, sondernes lieber zu entbehren. Am Ende ihres Lebens erzählte sie uns dieses Detail undfügte hinzu: "Und sie genügten mir, ich brauchte keine weiteren mehrund sie leisteten mir immer gute Dienste." Wenn wir der Meinung waren,nichts mehr tun zu können, pflegte sie zu antworten: "Versuchen Siees" - und erinnerte sich dabei sicherlich an jene Begebenheit.

WEIHE  AN DAS HERZJESU.  DIE VOLLKOMMENSTE REGEL

 

NachdemSeine Heiligkeit, Papst Leo XIII, das Herz Jesu-Fest in den ersten Rang erhob,weihte er die Welt dem Heiligen Herzen Jesu. Zur Vorbereitung schrieb er dieEnzyklika  "Annum sacrum", inder er sagt: "Dies ist die sicherste Form, ein religiöses Leben zuführen". Und weiter: "Es ist ratsam und richtig, sich dem Herzen Jesuzu weihen, denn es ist das Symbol und der Ausdruck der unendlichenBarmherzigkeit Christi". "Wir wollen zu dieser Verehrung anspornenund ermahnen". "Diese Weihe bringt den Völkern Hoffnung und bessereZeiten". "Man muß all seine Hoffnungen in das Herz Jesu legen, Ihnmuß man bitten und von Ihm müssen wir die Rettung erhoffen."

Gottgewährte M. Concepción, fast ein ganzes Jahrhundert lang dieser Weihe zu leben.Sie starb in dem Jahr, als sich diese zum hundertsten Mal jährte (1999).

            Pius XI. schreibt 1928 in seiner Enzyklika “Miserentissimus Redemptor”(Barmherzigster Heiland): „Ist es nicht wahr, daß wir in dieser Verehrung die Synthesedes Christentums und die Norm desvollkommensten Lebens finden? Denn sie ist es, die die Seelen dazubringt, Christus zuinnerst kennenzulernen und die Herzen, Ihn ungestümer zulieben und Ihn sorgfältiger nachzuahmen?“

            Sie persönlich weihte sich Ihm vollund ganz am 8-9-1939 (im Alter von 34 Jahren). Sie tat dies so aufrichtig, daßein anderes Leben für sie keinen Sinn mehr hatte. Aus dieser ihrer Hingabe, diesie heldenhaft, in aller Einfachheit und mit wachsender Freude und Großmut biszu ihrem letzten Atemzug lebte, haben wir die folgenden Leitgedanken herausgesucht:

            "Meine Unbefleckte Mutter, ich will ganz dem Herzen Jesu gehören,aber da du meine Mutter bist, will ich auch keinen einzigen Schritt ohne Dichtun... Herz Jesu ... ich möchte ganz und für immer dein sein."

            "MitFreude nehme ich, wie du es wünschst, den süßen und würdigen Pakt an, daß Dufür mich sorgen willst und ich für Dich... Selbst wenn du mich töten solltest,werde ich auf Dich hoffen und Dir vertrauen... Ich möchte, mein Gott, michselbst und meine eigene Bedeutung vollständig vergessen und in allem nur aufDich vertrauen, gebettet in den sicheren und ruhigen Frieden deiner göttlichen Vorsehung..."

            "Ich habe den Vorsatz, alles in meiner Macht Stehende zu tun, um weder aufErden noch im Himmel ein anderes Ideal zu haben als deine heiligenInteressen."

            "Arbeiten,damit du in allen Herzen herrschst... Beten, so standhaft wie möglich, um deineHerrschaft überall und zu jeder Zeit zu erbitten... und in allen täglichenBeschäftigungen".

            "PassivesOpfer... damit du herrschst... Aktives Opfer mit selbst auferlegter Buße undinnerer Überwindung... ständige Kasteiung..."

            "TugendhafteHandlungen, indem man gewissenhaft die Pflichten jedes Augenblicks erfüllt undein gutes Beispiel gibt, ohne jedoch in irgendeiner Form die Aufmerksamkeit zuerregen..."

            "Ichmöchte tun, was ich kann, mit Hingabe, Gebeten und Opfern, mit einem heiligenLeben und Apostolat, um deine göttliche verletzte Ehre und deinen Ruhmwiederherzustellen und ihnen in meiner Unbedeutendheit und Erbärmlichkeit denGlanz  und  die Herrlichkeit, die Dir so sehr gebühren,wiederzugeben...“

            "VonDir erhoffe ich alles, und von mir nichts mehr, und ich freue mich, daß das soist, damit auf ewig feststeht, daß aller Ruhm Dir gebührt und man mir nichtsschuldet."

 

            Diese Weihe, die sie ständigerneuerte, sollte letztlich ihr ganzes Leben kennzeichnen. Die Worte, die sieeben erst aufgeschrieben hat, stellen nun ihre eigene Autobiographie dar. Wirsind ihre Zeugen. Alles, was sie damals versprach, haben wir sie praktizierensehen: Tag für Tag, Augenblick für Augenblick, ohne die geringste Müdigkeit,sondern vielmehr mit einer ständig wachsenden inneren Überzeugung, Freude undGroßmut. Sie pflegte uns gegenüber zu wiederholen: "Die Liebe wird niemüde, und wenn sie es wird, ist es keine Liebe". M. Concepción wurdeniemals müde, das Herz Jesu zu lieben, und mit Ihm und in Ihm liebte sie alleMenschen.

 

            BESCHEIDENHEIT DESHERZENS.

TOTALES VERGESSEN UNDGERINGSCHÄTZUNG IHRER SELBST

            Eine ihrer hervorstechendstenEigenschaften war dieses totale Vergessen ihres Selbst, "die vollkommene Geringschätzung ihrerselbst", ihrer Persönlichkeit, ihrer Angelegenheiten. Niemalsdachte sie an sich selbst, sondern immer an die anderen, aus reiner Liebe zuJesus.

            Als sie in das Karmelklostereintrat, gab sie sich wahrhaftig hin, ohnedie geringsten Vorbehalte. Sie verweilte fortwährend im Herzen Jesu. Inseiner Schule lernte sie, sich niemals zu beklagen, über nichts und niemanden,egal, wie sie behandelt wurde, sei es von Seiten Gottes oder der Menschen; vonmit Vernunft begabten Geschöpfen oder solchen ohne. Siewußte, daß sie ein Nichts war, und einem Nichts schuldet man nichts und esbeklagt sich niemals. Niemals sprach sie über ihre Familie, ihreAngelegenheiten; über nichts, das sie bedeutender machen könnte. Gerne wiederholte sie in ihrem Inneren die Worte desKempis oder pflegte sie in Stossgebeten zu singen: "...daß der Menschkein Gut habe, dessen er sich rühmen könnte". Zu dieser Überzeugunggelangte sie letztlich durch die Demut, die ein Geschenk des Heiligen Geistesist.

            Sie lernte in dieser Schule desGöttlichen Herzens - wie Jesus ihre Vertraute Benigna Consolata belehrt hatte -nichts für sich selber zu verlangen, nicht ihre Rechte durchzusetzen undniemals Ausreden zu suchen. Sie lernte DIE BESCHEIDENHEIT DES HERZENS. Undaus reiner Liebe zu Ihm zwang sie sich zur genauesten Einhaltung derOrdensregeln und der Satzungen, der Anordnungen der Schwestern und Novizinnenund des Zeremonienbuches.

            Sie war, wie unsere heilige Mutter,darauf bedacht, die Gelübde so genaueinzuhalten, wie es ihr möglich war und sich den Geist unserer heiligen Reformatoren  einzuprägen. Bei ihrem Tod sagte eineNovizin: "Selbst wenn ich die Texte unserer heiligen Väter und unsereGrundgesetze nicht gelesen hätte, hätte ich sie dennoch genau gekannt, alleindurch das, was ich bei M. Concepción in ihremletzten Lebensjahr (in dem ich sie kennenlernte) gesehen habe."

Siewar tatsächlich in allem Vorbild. Eine Säuleder Regeleinhaltung, wie man sie sich kaum vorstellen kann. Ihre Hingabe und ihre Teilnahme an allen Aktivitäten derGemeinschaft konnten nicht besser sein. Sie war ein Leitbild an Gehorsam undTugend. Und all das ohne Spannungen, ohne jemandem vorzuwerfen, weniger perfektvorzugehen; alles mit höchster Natürlichkeit, Güte, Verständnis, Einfachheitund Diskretion. In ihr erfüllten sich die Worte unseres Heiligen Vaters:"Handeln und schweigen".

            Wenn es eine schwere Arbeit zuverrichten galt, sie packte immer als erste zu. Und wenn irgendeine sich nichtmit dem erforderlichen Fleiß daran beteiligte oder eine andere ihr anvertraute,wie schwer es zu ertragen sei, daß nicht alle sich entsprechend einsetzten,antwortete sie: "Ich arbeite mit meinen Händen". Das heißt,egal ob die anderen ihre Pflicht erfüllen oder nicht, ich bemühe mich, sie zuerfüllen, so viel zu arbeiten wie mir möglich ist und nicht darauf zu schauen,was die anderen tun; und so geht die Arbeit voran und man verliert nie die Ruheund verstößt nie gegen die Nächstenliebe.

            Sie verfügte über ein erstaunlichesGedächtnis. Alles was sie las, merkte sie sich ganz genau. Sie war eineleibhaftige Bibliothek und ein "wandelndes Archiv"; was auch immerwir im Moment wissen wollten, zum Beispiel bezüglich der Chronik des Ordens,über unsere Heiligen Väter, Ahnen, die Bräuche der Gemeinschaft, dasKirchenrecht, das Recht des Karmelordens, und später den Katechismus derKatholischen Kirche, das Zweite Vatikanische Konzil, etc., etc., oder dieGeschichte irgendeines Heiligen - den wir jeden Monat auslosten -, oder sogarandere Angelegenheiten... egal was es war, sie wußte immer ganz genau Bescheid.Wir mußten sie nur fragen, denn da ihr Gedächtnis so außerordentlich war,erinnerte sie sich sofort an alles.

            Es war wirklich eine Freude, mit ihr zu leben, denn sie war sotugendhaft, sparsam, von Kopf bis Fuß eine unbeschuhteKarmelitin, so ausgeglichen, vernünftig und weitblickend. Sie hatte auch soviel gelesen und war in allem außerordentlich; und da Gott ihr außerdem einen"sehr gründlichen Verstand" geschenkt hatte, vereinigte sich alles inihr und machte ihre Person zu einem wahren "Orakel", das den Menschenin ihrer Umgebung Zuverlässigkeit, Standhaftigkeit und Sicherheit gab. Diesbezüglich schreiben uns verschiedene Klöster, diesich an sie erinnern, als sie anläßlich des Besuchs des Papstes in Avilaweilte: "Die Novizinnen umringten sie bei jeder Gelegenheit, um ihr Fragenzu stellen, und sie, so klein sie von ihrer Statur her war, so groß war ihrWissen in bezug auf Gott."

            Dreimal las sie die gesamte HeiligeSchrift. Sie kannte den Katechismus auswendig. Wenn sie die Werke unsererHeiligen Väter nicht länger zur Hand haben konnte,kopierte sie ganze Texte (aus ihren Werken); auch von anderen Heiligen oder Dokumente des Papstes (die berühmteRadioansprache von Pius XII an die Klosterschwestern)... und hörte nicht auf,bis sie diese in ihr eigenes Leben integriert hatte.Man kann sagen, daß sie alles, was wir an Schriftlichem von ihr gefunden haben(das meiste davon sind kopierte Texte), in einer Art und Weise zu lebenverstand, daß es heute ihre eigene Biographie darstellt.

            Sie lebte jede Tugend und befolgtemit bewundernswerter Vollkommenheit die Doktrin der Heiligen Väter. Sie bemühtesich, klein zu sein. Sie war eine Seele ganz verborgen mit Christus, in Gott. Sie flüchtete, wo sie konnte, vor dem Sprechzimmerund ließ lieber die anderen reden. Sie wollte immer unbeachtet bleiben, anonym.  Sie suchte dasam wenigsten Geschätzte, das Unbequemste, die härteste Arbeit, dasBescheidenste. Aus diesem Grunde empfand sie inihrer Jugend großen Neid auf die älteren Nonnen, denn sie wurden bei denschwersten Arbeiten nicht geschont; die jungen hingegen schon. Und sie sagte zusich: "Ich möchte älter sein, damit ich wie diese hart arbeiten kannohne Schonung." Und wenn sie sich nachts einmal nicht wohl fühlte,freute sie sich insgeheim, daß dies nachts und nicht tagsüber passiert war, sodaß niemand etwas merkte und sie mit den anderen und wie die anderen die Regelnbefolgen und arbeiten konnte.

            KASTEIUNG

            Sie kasteite sich ständig undextrem. Sie sagte, daß gemäß dem Konzil die Buße sehr "umfassend" zusein hatte; und sobald ihr eine auferlegt wurde, dankte sie Gott dafür; siebrachte sie Ihm dar an und scheute davor nicht nur nicht zurück, sondern wünschte in ihremInnersten, noch mehr Buße tun zu dürfen, da sie an diese Worte des Konzilsdachte: "umfassende Buße“. Von sich aus wollte sie immer und in allem Bußetun. Seit sie Priorin war, war sie freier, um sich noch mehr kasteien zukönnen. So gewöhnte sie sich daran, niemals zu frühstücken, und das durch vieleJahre hindurch, bis sie, bereits über 80 Jahre alt, frühstücken mußte, umgleichzeitig die ihr verordneten Medikamente einnehmen zu können. Sie sagte,daß "mit dem Frühstücken sehr viel Zeit verloren ginge". Undviele Jahre lang fastete sie freitags bei Brot und Wasser.

            Sie ließ sich immer etwas einfallen,um das Schlechteste für sich zu haben, was niemand wollte, was keinen Werthatte. Sie versuchte immer, sich in allen Dingen zu kasteien: in bezug auf ihreKleidung, in ihrer Körperhaltung; nie lehnte sie sichirgendwo an; nie vertrat sie sich die Beine oder kreuzte die Füße; auch nicht,wenn sie alleine in ihrer Zelle war. Ihre Bescheidenheit war in jeder Hinsichteinzigartig. Sie flüchtete geradezu vor jeder Bequemlichkeit. Sie hatte einabsolute Geringschätzung ihrer selbst. Sie kasteite sich, indem sie ihrenSinnen kein Vergnügen gönnte; so wollte sie zum Beispiel kein Parfum riechenund nichts Weiches haben. Auch bei den Dingen, die sie verwendete, kasteite siesich. Alles war armselig, einfach, grob, geflickt. Sie kasteite sich wirklichin allem sehr, ohne jedoch Aufmerksamkeit zu erregen, immer mit erstaunlicherSelbstverständlichkeit.

            Beim Essen ließ sie niemals eineneinzigen Löffel vom ersten oder zweiten Gericht aus, um von dem einen oderanderen Nachtisch zu nehmen, den es manchmal im Refektorium gab. Sie gewöhntesich daran, nach den Mahlzeiten Bikarbonat zu sich zu nehmen. Als die Köchinnensahen, daß sie alles aufaß, gaben sie ihr mehr und mehr Suppe, und sie aß sieimmer auf; daher mußte sie vom zweiten Gericht schon weniger nehmen; und klarerweisekonnte sie dann keinen Nachtisch mehr essen. In diesem Zusammenhang amüsiertenwir uns sehr, als eines Tages, schon am Ende ihres Lebens (sie war 94 Jahrealt), eine Schwester voller Barmherzigkeit zu ihr sagte: Mütterchen Concepción,essen Sie nicht so viel Suppe, denn die Suppe nährt nicht; Sie müssen wenigerSuppe und mehr vom zweiten Gericht nehmen. Sie beschränkte sich darauf, miteiner Einfachheit und einem Charme zu antworten, der uns allen durch und durchging: "Also mich hat sie 70 Jahre lang genährt."

            Sie machte es wie der heilige Petrusvon Alcántara, der, um seinen Körper bei großer Kälte zu "täuschen",zuerst das Fenster öffnete, um sich beim Schließen desselben wohler zu fühlen. Nur dann,wenn ihr Körper besonders wenig Appetit verspürte, würzte sie die Speisen, sodaß der neue Geschmack für sie schon Erleichterung und Genuß bedeutete; undsonst brauchte sie nichts mehr. Sie bemühtesich, in jeder Hinsicht viel Buße zu tun. Sie sagte zu uns: "Es istwirklich so, daß ich, wenn ich etwas als unangenehm empfinde, etwas mir schwerfällt, versuche, es mir noch mehr zu wünschen, und sofort - ich weiß nicht, wie- verschwindet das Leid und es fällt mir nichtmehr schwer. Es geht mir sehr gut."Diesen ihren "Trick" lehrte sie uns. Das ist die Erklärung für etwas,das man auf den ersten Blick nicht verstehen kann. Wie konnte sie trotz ihrergroßen Schmerzen in aller Ehrlichkeit häufig solche Aussprüche tun: "Esgeht mir sehr gut". "Ich brauche es nicht". "Das kann ichtun". "Es fällt mir überhaupt nicht schwer." "Es tut mirnichts weh" etc., etc. ? Und sie bestätigte uns all das mit einersolchen Selbstverständlichkeit, daß wir einfach glauben mußten, daß es wirklichso war.

            Sie vergaß sich selber vollkommen.So ging sie beispielsweise niemals zum Augenarzt, sondern suchte sich aus einerLade, wo alte Brillen aufbewahrt wurden, eine aus, die ihr am geeignetstenerschien. Und später benutzte sie die Brillen von einer ihrer leiblichenSchwestern. Sie sagte: "Für mich ist das gut so: Wenn meine Schwestereine neue Brille braucht, ist ihre alte gerade richtig für mich. Ihre ist etwasstärker als meine." Und so verbrachte sie ihr ganzes Leben bis ansEnde, wie wir erzählen werden. Wenn die Schwestern darum baten, imErholungsraum das Licht anzünden zu dürfen, weil sie schon nichts mehr sahen,sagte sie immer, daß sie noch sähe. Wir wissen nicht wie sie es schaffte; siearbeitete weiter, auch wenn es kaum mehr Licht gab. Wie gut muß die Brilleihrer Schwester gewesen sein!

            Bei allem, was sie betraf, war esso. Auf unsere Fragen sagte sie immer, daß sie nichts brauche, daß es ihr sehrgut ginge. Wenn wir zu ihr sagten: Das hilft Ihnen nichts, etc., antwortete sieuns: "Es ist sehr gut für mich." Sie gab den anderen mitSelbstverständlichkeit das Beste, ebenso wie der heilige Petrus von Alcantarazu unserer heiligen Mutter sagte, sie solle sich nicht darüber wundern, wasalles möglich war. Bei ihr war alles so selbstverständlich, wie angeboren...! All die Opfer nahm sie auf sich, als ob es nichts wäre. Alles an ihrentsprang ihrer tiefen Liebe zu Christus. Sie empfang eine große Liebe für Ihn,die mit der Zeit noch stärker wurde. Einmal schrieb sie in den Exerzitien: "Ich habe versucht, mich von Herzen inChristus zu verlieben." Das ist das Geheimnis ihres heroischenLebens: die reine Liebe.

            Immer wieder sagte sie zu uns: "Liebebedeutet, sich hinzugeben, zu opfern, aus Liebe zu dem Geliebten sich selbst zuvergessen." Aus diesem Grund war für sie alles süß, leicht, angenehm.Sie lernte von unserem heiligen Vater und wiederholte uns gegenüber unermüdlichden Satz: "Wenn die Seele sich wahrhaftigentscheidet - und sie unterstrich dieses Wort "wahrhaftig"-, in allen Dingen die Mühen für Gott zu entdecken und zu ertragen, wird siein allem Erleichterung und Trost spüren unddiesen Weg frei von allem und wunschlos gehen können." Ja, sie entschied sich wahrhaftig von Anbeginnan, diese Mühen in allen Dingen zu finden und aus reiner Liebe zum Herzen Jesuauf sich zu nehmen; und daher fand sie tatsächlich und von Herzen in allemgroße Erleichterung und Trost. Das sagte sie zuuns. Und so war es. Schon vom ersten Augenblick an empfand sie großes Glück,denn vom ersten Augenblick an "entschied sie sich wahrhaftig." Siewiederholte immer wieder: "OhneKreuz will ich nicht leben, denn ich weiß, wie wichtig es ist - egal ob wirlang oder kurz leben -, entweder zu leiden oderzu sterben."

            Sie war eine sehrwahrhaftige Seele. In dieser ganz Gott gehörenden Seele sehen wir dieWorte unserer heiligen Mutter verkörpert: "Demut bedeutet, in derWahrheit zu leben". Einige Personen sagten uns, das ihrehervorstechendsten Tugenden die Aufrichtigkeit und die Wahrhaftigkeit waren.Tatsächlich war sie von allem und von sich selbst in einer Weise losgelöst, daßsie auf das, was die anderen von ihr sagen mochten, überhaupt nicht achtete,auch nicht, ob sie eine gute oder schlechte Meinung von ihr hatten; sie tat nieetwas, um gut da zu stehen, vermied aber auch nie, das Nötige zu sagen, ohneAngst, schlechter angesehen zu werden.

Niebenutze sie jemanden dazu, ihren guten Ruf zu schützen. Nein. Nichts vonalldem. Sie wurde ausschließlich von ihrer Aufrichtigkeit und  Wahrhaftigkeit geleitet, und ihr Blick warausschließlich auf Gott gerichtet. Und bezüglich der Personen, die zu ihr kamen,um ihren Rat zu erbitten, konnte sie am Ende ihres Lebens sagen: "Ich habe ihnen immer die Wahrheitgesagt." Später sollte sie unslehren: "Wir sollten unsdarüber freuen, wenn die anderen eine schlechteMeinung von uns haben." Und auch: "Wenn sie schlecht von uns denken, um so besser." Sowaren ihre Ratschläge und ihr Leben. Alle Tugenden wurzelten, keimten undblühten in dieser Seele, die so sehr in der von Herzen kommenden Demutverankert war.

            Schon von frühester Jugend an waren bei ihr die Gegenwart undVerbindung mit Gott sehr gut zu sehen. Wenn sie innerhalb des Hauses unterwegswar, ging sie andächtig und bewegte dabei die Perlen des Rosenkranzes, den sietäglich vollständig betete, selbst wenn sie alleine war; und mit gekreuztenArmen betete sie irgendeines der Geheimnisse alsOpfer für Spanien. Ständig wiederholte sie ihr Stoßgebet des Verzichts und desVertrauens: "Herz Jesu, auf dich vertraue ich."

            Sie wurde als Krankenschwestereingesetzt, was ihr ein wenig Sorge bereitete, denn sie dachte: "Ichwar niemals krank und werde die Schwestern nicht verstehen können." Unddavor hatte sie Angst. Doch glücklicherweise war es nicht so, sondern ganzanders. Bei jeder Unpäßlichkeit der Kranken sagte sie zu sich: "Ichhabe zwar keine Erfahrung mit diesem Schmerz, aber er muß sehr groß sein";und aus diesem Grund bemühte sie sich nach Kräften, den Kranken noch mehrErleichterung zu verschaffen, als sie es getan hätte, wenn sie einen derartigenSchmerz aus eigener Erfahrung gekannt hätte. Zu einer sagte sie: "Wieich Sie beneide! Wie gerne hätte ich diesen Schmerz, um ihn Jesus darbringen zukönnen!" Sie sah Jesus in den Kranken. Sie betreute eine ältereSchwester und dachte: "Ich werde mich um sie kümmern, als wäre siemeine eigene Mutter, denn dieser werde ich nicht beistehen können."

            Sie wollte ein Maximum an Hilfegeben. Da sie aber nicht wußte, wie man Injektionen setzt, übte sie es ameigenen Körper und stach sich selber. Sie wollte den anderen nicht wehtun undzog es vor, zuerst an sich selber zu üben!

            21 JAHRE LANGPRIORIN.

DER WILLE GOTTES. DIE GÖTTLICHE VORSEHUNG

            Das Kirchenrecht gestattete damalsnicht, vor Vollendung des 40. Lebensjahres das Amt einer Priorin auszuüben. ImJahr 1946 gab es Wahlen. Schwester Concepción stand kurz vor der Vollendungihres 41. Lebensjahres. Die Wahl des Konvents fiel auf sie. Als sie gefragtwurde, ob sie die Wahl annähme, antwortetesie lediglich: "Wenn es der Wille Gottes ist". Dies warenunverändert ihre Worte auch bei weiteren sechs Wahlen, in denen sie wieder indieses Amt gewählt wurde. Sie war insgesamt 21 (nicht aufeinander folgende)Jahre lang Priorin. Es war dies seit der Gründung des Klosterns im Jahr 1617die längste Amtsperiode. Das Priorat versetzte sie weder in Unruhe nochveränderte es sie; und sie behielt ihre Zufriedenheit und ihren Frieden auch inZeiten, in denen sie nicht Priorin war. DERWILLE GOTTES! Daraus entsprang ihreRuhe. Für ihn lebte sie und von ihm ließ sie sich leiten. Dieser GöttlicheWille war das Geheimnis ihrerGelassenheit, ihrer unerschütterlichen Ruhe in allen Situationen. MutterConcepción und der Wille Gottes würden immer untrennbar miteinander verbundensein

Wennwir mit der einen oder anderen Sorge zu ihr kamen oder mit Fragen zuirgendeinem Thema, wies sie uns in jedem Moment den Weg in Richtung des WillensGottes, so wie die Kompaßnadel immer nach Norden zeigt. "Der Wille Gottes, unser Friede".Sie lebte vollkommen gefestigt und verankert in diesem göttlichen Willen.Nichts konnte sie aus ihrer Ruhe und seelischen Gelassenheit reißen. WederLeben noch Tod, weder Gesundheit noch Krankheit, weder die Tatsache, Priorin zusein oder nicht, das eine Amt oder das andere,die eine Priorin oder eine andere, irgendein Ereignis oder Umstand innerhalboder außerhalb des Konvents... nichts erschreckte sie, nichts beunruhigte sie,nichts erschütterte sie.  "Nichtsraubt mir den Schlaf", sagte sie, denn sie ruhte im Grunde genommenvollkommen in den Armen der liebevollen Vorsehung und im göttlichen Willen.

            Wir werden eine Anekdote erzählen,aus der man ersehen kann, wie weit ihr Vertrauen in die göttliche Vorsehungging und wie diese über ihre Interessen wachte.

            Eine junge Novizin sollte Musik studieren. Eine Professorin bot sichan, sie kostenlos zu unterrichten. Doch sie verlangte einKlavier, denn dasHarmonium war dafür nicht geeignet. Woher aber ein Klavier nehmen? Es trafsich, daß die Novizin Besuch von ihrer Familie bekam. Daher fragte sie M.Concepción, die zu diesem Zeitpunkt Priorin war, ob sie ihre Mutter um dasKlavier bitten dürfte, das sie zu Hause hatten. Die Mutter Oberin überlegteeinen Augenblick und antwortete ihr: "Nein, vertraue auf die Vorsehung." Die junge Novizin wußtezwar nicht, was das bedeuten sollte, doch sie wußte, was Gehorsam hieß.

            Ihre Mutter kam also und fragte sie,ob sie etwas benötigte, ob sie etwas für sie tun könnte. Dreimal mußte sie sichüberwinden und sagen, daß sie nichts brauchte. Sie dachte an jene Worte: "Nein,vertraue auf die Vorsehung." Sie tat es allerdings nicht wegen derVorsehung, sondern aus reinem Gehorsam gegenüber der Mutter Oberin. Wie schwerfiel ihr das! Die Novizin dachte bei sich: "Aber wie können wir bezüglicheines Klaviers auf die göttliche Vorsehung vertrauen! Wenn es sich um etwas vongeringem Wert handeln würde, könnte man es noch verstehen, aber ein Klavier!Wer sollte uns ein Klavier schenken?"

            Die göttliche Vorsehung ließ nichtlange auf sich warten. In derselben Woche kam aus Sevilla ein Klavier alsGeschenk, wobei die Fracht und das Stimmen bereits bezahlt waren. Von diesemTag an wußte die Novizin, was Vorsehung bedeutet.

Undzurück zum Thema Gotteswille: Es schien, als ob M. Concepción einen einzigenWunsch hatte: DAS MARTYRIUM. Wennwir sie fragten, welchen Tod sie sich wünschte, auf welche Weise sie gernesterben würde und unter welchen Umständen, bekamen wir von ihr nie etwasanderes zu hören als: wie gott es will.Der Wille Gottes! Daraufhin fragten wir sie: Sie möchten also als Märtyrerinsterben? Nun sagte sie aber nicht mehr: WieGott es will. Sie konnte nicht widerstehen und mit leuchtendem Antlitzantwortete sie lebhaft: "Das habe ich mir immer gewünscht!" Undfügte hinzu: "Und ich vertraue immer noch darauf und hoffe, alsMärtyrerin zu sterben."  DiesenWunsch äußerte sie uns gegenüber unverändert immer wieder mit einer ständigerneuerten Liebe und Erwartung bis zu ihrem Lebensende. Daher denken wir, daßaufgrund ihres so leidenschaftlichen Wunsches in ihr sich erfüllt hat, wasunser Heiliger Vater über dieses Martyrium des Wünschens schreibt und sie so tatsächlichdie Märtyrerkrone erhielt.

EinePriorin sagte über sie: "Mutter Concepción ist eine wunderbare Priorin,aber sie ist auch eine ausgezeichnete Untergebene!" In ihr verwirklichtesich das Sprichwort: "Nur der ist geeignet zum Befehlen, der sich zuerstim Gehorsam ausgezeichnet hat." So war sie: Mit einem intensiven,übernatürlichen Blick sah sie nur Gott in dem Vorgesetzten: "Wer euchhört, hört Mich, wer euch geringschätzt, schätzt Mich gering".

EinesTages, als ich in ihre Zelle eintrat, war ich erstaunt über ihren Blick vollerGlauben; obwohl schon sehr alt und mit zwei gebrochenen Hüften, erhob sie sich.Ich sagte zu ihr: "Nein, Mütterchen, erheben Sie sich nichtmeinetwegen." Woraufhin sie mir, ohne darüber nachzudenken, antwortete: "Nein,Mutter Oberin, ich erhebe mich nicht Ihretwegen, ich erhebe mich Gotteswegen." Ihr Blick war tatsächlich immer auf den Glauben gerichtet. Als sie, am Ende ihres Lebens und fast blind, denErholungsraum betrat, war das erste, was sie fragte: "Befindet sichunsere Mutter Oberin hier?, um ihr Skapulier zu küssen.

            Eine Novizin erzählt uns, wie sehrsie der enorme Respekt beeindruckte, den M. Concepción unserem Herrn Bischofentgegenbrachte. Ganz besonders erregte ihre Aufmerksamkeit, daß D. Teodoro,der die Konzelebration präsidiert hatte, sich nachher zu dem unteren Chorgitterbegab, um die Kommunität zu begrüßen. Wir Nonnen näherten uns sofort auch alle demGitter. Als M. Concepción erfuhr, daß der Bischof kam, kam sie ebenfalls näher,trotz ihrer 93 Jahre, so klein, wie sie in ihrem Alter geworden war, fast blindund taub und unsicher beim Gehen. Sie blieb aber hinter der Gruppe, so daß sie nichts von dem hören konnte, was gesagtwurde. Obwohl weder der Bischof noch sonst jemand sie sehen konnte, blieb siein großer Ehrfurcht aufrecht stehen und begann, die Perlen des Rosenkranzes zubewegen und leise zu beten. Als die Novizin sie fragte, ob sie sich auf einendort vorhandenen Stuhl setzten wolle, verneinte sie das. Nach einer langenZeit, etwa einer halben Stunde, fragte die Novizin sie erneut, ob sie gehenwolle. In ihrer ganzen Schlichtheit fragte M. Concepción, ob der Bischof nochanwesend sei. Als sie erfuhr, daß er schon vor einer Weile gegangen war und nun andere Personen sich hierbefanden, zögerte sie nicht einen Moment und verließ den unteren Chor. Sie war93 Jahre alt.

            Einer ihrer Vorsätze war: "Ichwerde nichts machen ohne Sicht des Glaubens".  Und ferner: "Mein Leben sollsehr authentisch sein. Ich nehme mir vor,karitativ sein." Wir haben es schon weiter oben erwähnt.Aufrichtigkeit und Geradlinigkeit charakterisierten sie. Am meisten kam daswahrscheinlich in den Zeiten ihres Priorats zum Ausdruck.

            Einer ihrer Grundsätze, die sie unsständig wiederholte und beispielhaft vorlebte, war: "Der Gleichmut inKrisensituationen erhebt die Seele zu großer Perfektion." Wiebewundernswert lebte sie diesen ständigen Gleichmut, egal was geschah! Nichtserschreckte sie, vor nichts hatte sie Angst, nichts brachte sie aus derFassung. Ihre Ruhe war absolut unveränderlich. Sie verfügte über eineaußergewöhnliche Seelenstärke. Stärker als eine Frau sie normalerweise besaß.

            Eine ihrer charakteristischstenTugenden war der Friede Gottes, der sie erfüllte und den sie allen gegenüberund in jeder Situation ausstrahlte. In welchem Augenblick auch immer man zu ihrkam, immer fand man sie in diesem göttlichen Frieden, in dieserAusgeglichenheit.

            Sie lebte vollkommen das vom ZweitenVatikanischen Konzil definierte kontemplative Leben, das sie uns so oft mit Worten nahelegte: "Einsamkeit undStille, ständiges Gebet und umfassende Buße". Sie war eine ganz inGott verborgene Seele.

            Wenn wir sagen: Sie wiederholtediesen oder jenen Satz, könnten wir genauso gut sagen: Sie lebte diese und jeneTugend; denn alles was sie uns sagte oder lehrte, lebte sie in Vollkommenheit."Sie lehrte mit Autorität", denn niemals sprach sie von etwas, dassie nicht mit all ihren Kräften vorgelebt hatte. Sie war eine sehr konsequentePerson mit großen Überzeugungen.

            In den Zeiten, in denen sie nicht Priorinwar, stach sie durch besonderen Gehorsam und Demut hervor. Selbst wenn diePriorinnen ihre eigenen Novizinnen gewesen waren und selbst bei der jüngstenvon allen hinderte sie das nicht, sie als übernatürlichanzusehen. Sie bat selbst bei den unwesentlichstenDingen um Erlaubnis. Im Erholungsraum war sie manchmal die einzige, immer aberdie erste, die sich erhob, wenn die Priorin eintrat. Niemals sagte sie ihreMeinung, ohne danach gefragt worden zu sein. Sie sprach mit großer Ehrfurchtund Demut.

NÄCHSTENLIEBE

 

            Sie liebte Gott mit einer solchenKraft, daß sie, wie bereits erwähnt, ihr ganzes Leben lang das Martyriumwollte. All die Buße, die sie tat, all ihre Tugend und ihr Gehorsam, kam"aus einer reinen Liebe zu Gott". Ihr Gesicht strahlte richtig, alssie einer Mitschwester anvertraute: "Wissen Sie, was es bedeutet, daßwir wegen einer geringfügigen Buße hier auf Erden Gott für alle Ewigkeitkennen, lieben und sehen werden?" Und außer sich vor Freude, sagte sieihr immer wieder: "Aber wissen Sie, was das heißt?"... undwiederholte staunend: "in alle Ewigkeit...! In alle Ewigkeit werden wirGott sehen und kennen und immer mehr lieben...!"

            Ein eigenes Kapitel verdient dieNächstenliebe dieser ganz in Jesus aufgehenden Seele. Während sie mit sich selbstso streng war, behandelte sie die anderen sehr "menschlich"; sie wardas personifizierte Verständnis. Als wir überlegten, was wir über ihreNächstenliebe sagen sollten, ob sie barmherzig war oder nicht und in welcheAusmaß, fiel uns kein anderer Text ein als der großartige  Brief des heiligen Paulus an die Korinther,Kapitel 13. Es genügt, das Wort "Nächstenliebe" durch "M.Concepción" zu ersetzen, und das Wörtchen "ist" durch "war",und schon haben wir ihr geistiges "Porträt": "M. Concepción wargroßmütig und gütig; sie kannte keinen Neid, keine Prahlerei und keineÜbertreibung; sie war niemals unhöflich, nie auf ihren Vorteil bedacht. Siewurde nie böse, sie dachte über niemanden schlecht; sie freute sich nicht überUngerechtigkeiten, sie fand Gefallen an der Wahrheit; sie entschuldigte alles,glaubte alles, erhoffte alles und tolerierte alles. M. Concepción ließ niemalsnach."

            Die Worte des Apostels sind nichtsanderes als eine Beschreibung, wie M. Concepción war. Es ist nicht so, daß siewenige oder viele Akte der Nächstenliebe setzte, große oder kleine, sondernihre ganze Person, ihr ganzes Herz warenNächstenliebe: für die Menschen in ihrer Nähe und auch dieanderen. Ihre Nächstenliebe war so wahrhaftig,weil sie der Demut ihres Herzens entsprang.

            Was für ein Verständnis für dieMitschwestern! Unzählige Stunden verbrachte sie damit, der einen oder anderenzuzuhören, Tag für Tag, Jahr für Jahr; über alle Maßen heroisch war ihreGeduld, die Nächstenliebe dieser unvergleichlichen Mutter, die sie für uns allewar; wer wird jemals imstande sein, sie so zu beschreiben, wie sie wirklichwar?

            Man konnte an ihr die "Früchtedes Geistes" spüren: "Liebe, Freude, Frieden, Verständnis,Entgegenkommen, Großmütigkeit, Güte, Liebenswürdigkeit, Selbstbeherrschung..."Jahr für Jahr, in jedem Moment, bis zum Augenblick ihres Todes... Auch bemühtesie sich sehr darum, die Liebe, die Barmherzigkeit und die Einigkeit unterallen Schwestern zu fördern. Zu keinem Zeitpunkt wollte sie, wie sie uns auchsagte, daß wir zu "Pepito, dem Petzer" würden. Sie lehrte unsdurch ihr eigenes Beispiel, "einander mit Geduld zuertragen". Sie sagte uns, daß "das geduldige Ertragen derFehler und Schwächen des Nächsten" einen Akt der Barmherzigkeitbedeutete. So machte sie es mit uns. Niemals warf sie uns unsere eigenen Fehlervor. Sie entschuldigte alles, sie verstand alles, sie verzieh alles, sieerhoffte alles.

            Sie war für uns alle eine Mutter;Ratgeberin und Vertraute der Gemeinschaft. Sämtliche Priorinnen gestatteten denNonnen immer, ihre Angelegenheiten mit ihr zu besprechen. Einige hielten siefür den wahren Seelenführer. So groß waren ihre Güte, Aufrichtigkeit,Verständnis, Weitblick, ihre Erfahrung und ihre Geduld mit allen, daß diePriorinnen sich auf ihren Rat stützten. Es war ihnen vollkommen klar, daß dieNonnen für ihre Seelen nicht Besseres tun konnten, als eine Weile mit ihr zuverbringen.

            Und diese Seele Gottes, die so sehrdie Einsamkeit und Stille ersehnte und liebte, war der "Grabstein"der Gemeinschaft. Ständig mußte sie sich um die eine oder andere der Schwesternkümmern, die bei ihr Rat suchte. Dazwischen pflegte sie sich mit Flickarbeitenoder dem Herstellen von Skapulieren zu beschäftigen. Ihr Geist war stetsaufmerksam auf Gott gerichtet. Und dabei dürstete sie so danach, alleine mitGott zu sein, ohne andere Menschen um sich, daß sie, als ihre Einsamkeit immerwieder gestört wurde, scherzend sagte: "Wenn ich einmal im Himmel bin,laßt mich in Frieden alleine mit Gott sein, daß nicht alle Augenblicke jemandkommt und an der Tür klopft."

            In den Zeiten ihres Priorats war sievor allem für die Schwestern da. Die schwierigen und ungewöhnlichenAngelegenheiten erledigte sie selber; aber die anderen alltäglichen Aufgabenließ sie die anderen Schwestern tun, um jederzeit für die Schwestern, die siebrauchten, da sein zu können. Sie mied, soweit es ihr möglich war, externeKontakte, und die Pförtnerin versuchte, Besucher von ihr fernzuhalten, wenn sievon ihr darum ersucht wurde. Als ich Priorin war, pflegte sie mir das Telefonzu geben. Und auf diese Weise konnte sie, wie sie es sich vorgenommen hatte, inihrer Zelle oder ihrem Arbeitsplatz bleiben (normalerweise war dieser in derKleiderkammer), wo die Nonnen sie immer finden konnten.

            Sie redete wenig und hörte viel zu.Sie fragte die Novizinnen, ob sie gut geschlafen hätten. Sie interessierte sichfür die Situation jeder einzelnen: ihre Familie, ihre Person, ihreAngelegenheiten, ihr geistiges Leben, ihre Gesundheit, ihre Probleme... Allesfand ein Echo in ihrem mütterlichen Herzen. Sie betete für alles und versuchte,so gut sie konnte zu helfen. Sie war sehr einfallsreich und geschickt in jederArbeit und schaffte Abhilfe, wo wir sie brauchten. Wenn uns zum Beispiel etwaskaputt ging, reparierte sie es persönlich; sie fand immer die richtige Lösung.Sie war uns in allem behilflich.

            "BEMÜHE DICH,GELIEBT ZU WERDEN, DAMIT MAN DIR GEHORCHT"

            Sie hatte sich vor vorgenommen: "Ich will meine Schwestern lieben, wieJesus uns geliebt hat; verständnisvoll sein, nachsichtig... gut wie eineMutter." Und so war sie. Wenn sie bemerkte, daß wir irgendetwas nicht konnten oder nicht so geschickt waren, flickte sie uns persönlichden Habit, die Leinenschuhe, den Gürtel, sie besserte alles aus. Und wenn wirihr etwas schon Unbrauchbares gaben, reparierte und verwendete sie es. Siewußte sehr genau und erinnerte uns immer wieder daran, was in den"Anweisungen für Novizinnen" steht: "Manchmal muß auch die Meisterin die Zellen der Novizinnenkehren..." und Ähnliches. Und so war sie uns Vorbild in allem.

            Den Kranken schenkte sie vielAufmerksamkeit. Sie sorgte dafür, daß sie die vom Arzt verschriebenenMedikamente einnahmen. Und wenn sie nichts Besonderes hatten, kümmerte sie sichauf andere Weise um sie: bereitete Kamillentee zu, gab Massagen, verabreichteSalben, Tropfen... Was auch immer. Alles, was mit Demut, Nächstenliebe undDienen zu tun hatte, war ihr willkommen.

            Sie begleitete die Nonnen zum Arztund zu verschiedenen Operationen und, wenn sie konnte, sogar in denOperationssaal; sie wollte sie keinen Moment lang  alleine zu lassen, weder bei Tag noch beiNacht.  Sie wachte bei ihnen und machtealle Handreichungen persönlich und ließ dies nicht die Krankenschwestern tun.Wenn es sich um mehrtägige Krankenhausaufenthalte handelte, nahm sie dasMaterial für die Skapuliere mit und nähte sie, auf dem Boden sitzend, oderbetete, während die Angehörigen die Kranke besuchten. Das Krankenhauspersonalund die Verwandten bewunderten ihren übernatürlichen Geist, ihre Liebe undDemut.

            Bei einer schwierigenGrauen-Star-Operation, als der Arzt sich mit Komplikationen konfrontiert sah,wiederholte sie ständig mit leiser Stimme das Anstoßgebet: "Herz Jesu,ich vertraue auf dich". Und das ohne Unterlaß, solange die Operationdauerte. Als der Arzt fertig war, rief er aus: "Das Gebet diesesVögelchens mit seiner Leier hat mir geholfen: Herz Jesu..."

            "Bemühe dich, geliebt zu werden, damit man dir gehorcht."Diesen Rat unserer heiligen Mutter hat M. Concepción den Priorinnen ständig inErinnerung gerufen und selber danach gehandelt. Wir haben sie über alle Maßengeliebt, und auch sie liebte jede Einzelne von uns von ganzem Herzen. Wie wohlhaben wir uns bei dieser Mutter gefühlt und wie sehr von ihr geliebt! Immer soangenommen, so verstanden! Sie war für uns alle da. An ihrer Seite fühlte mansich geborgen; der Friede Gottes, der Trost, die reine Liebe der Mutter, inderen Herzen wir alle Platz hatten. Sie war für alle alles; und wie die heiligeMutter es empfiehlt, machte sie das tugendhafte Leben erstrebenswert. Siewunderte sich über nichts, sie regte sich über nichts auf. Sie war vollVerständnis und Liebe. Sie hatte Verständnis für jeden Fehler und jedeSchwäche. Sie entschuldigte, soweit sie konnte, alles, weil sie zumindest denguten Willen sehen wollte, und vertraute ihn Gott an; sie gestattete keinerleiKritik.

            "Urteilt nicht, damit ihr nichtverurteilt werdet; verdammt nicht, damit ihr nicht verdammt werdet." DieseWorte des Evangeliums drangen mit der Zeit immer tiefer in ihre Seele ein undsie wiederholte sie oft; meditierte sie, dachte nach und wiederholte ständig: "Dasist mein Gebot: daß ihr einander liebt wie ich euch geliebt habe."  Ihre Nächstenliebe wurde immer vollkommenerund tiefer. Die größte Liebe, die sieuns erwiesen hat, war ihr beispielhaftes Leben. Alles an ihr war reineNächstenliebe.

            Verschiedene Gemeinschaftenschrieben uns, daß sie M. Concepción anläßlich des Papstbesuches in Avilakennenlernten, "wo sie wie die Jüngeren Sessel aufstellte und niemand siedavon abhalten konnte". Dieser scheinbar unbedeutende Vorfall, der vielenNonnen auffiel, war genau das, was auch immer unsere Aufmerksamkeit erregte.

            Es war kein Zufall, "daß sieSessel wie die Jüngeren aufstellte". Alles, was sie tat, ihr ganzes Lebenlang, während der 70 Jahre als unbeschuhte Karmelitin war so. Immer, ohneUnterlaß, in jedem Augenblick. Zu jener Zeit war sie 77 Jahre alt, ihr Körperwar geschrumpft, sie ging gebeugt und befand sich in einem fremden Kloster.Egal, sie war so daran gewöhnt, immer und in jedem Moment bereit zu sein zurDemut, zur Buße, zum Opfer, zur Nächstenliebe, daß sie jede schwere Arbeit alseigene Angelegenheit ansah. Und wenn die Novizinnen das taten, worinunterschied sich eine Novizin von ihr, die sich als die Letzte fühlte, als die zuletzt  Eingetretene, obwohl  sie 21 Jahre lang Priorin gewesen und schon77 Jahre alt war? Aus diesem Grund ließ sie nicht von dieser Arbeit, so sehrwir auch insistierten, denn sie hielt sie für "ihre Angelegenheit".Und auch wenn wir noch so sehr darauf bestanden, unterließ sie es nie, etwas zutun, was mehr Anstrengung und Liebe voraussetzte. Das hatte sie dem Herzen Jesuschon bei ihrer Weihe versprochen.

            Bis zu ihrem 80. Lebensjahr setztesie sich immer auf den Boden; mit Arthrose oder ohne, mit Schmerzen oder ohne,ob sie es konnte oder nicht. Sie setzte sich solange auf den Boden, bis ihreHüften brachen. Auch dann noch sagte sie: "Ich könnte mich noch immerauf den Boden setzen oder niederknien, wenn jemand mir danach beim Aufstehenhelfen würde. Auf dem Boden kann ich bleiben, zum Aufstehen aber brauche ichHilfe." Aber die Ärzte verboten es ihr. In diesem Fall mußte sieresignieren und gehorchen.

            Erwähnenswert ist auch diebiographische Skizze, die ein Priester, der sie 38 Jahre lang kannte, anläßlichihres Todes von ihr zeichnete. Und wie treffend hat er das getan:

"Siewar eine Frau weniger Worte; ihre Sätze und Antworten waren kurz, fastlakonisch, jedoch sehr ausdrucksvoll und vielsagend; sie sagte viel mit wenigenWorten. Sie war immer ausgeglichen. Ihre Antworten beeindruckten und verwirrtenmanchmal, da man sie nicht erwartete; später jedoch verstand man sie. Sie warimmer zufrieden, akzeptierte ihr Leben.

            Sie ging den Weg, den sieeingeschlagen hatte, mit einer so bemerkenswerten Festigkeit und Ausdauer, daßes Bewunderung erregte. Sie verletzte niemanden. Ich glaube, daß sie bei ihremEintritt in den Karmel diesen Entschluß gefaßt hatte; sie hielt sich an ihn,ohne groß darüber zu sprechen. Auch wenn sie nicht über sich selbst sprach, sosprachen ihre Werke für sie.

            Sie hielt alle Regeln ein und wardem Geist der Mutter Kirche treu. Sie liebte die Kirche und das Konzil(1962-1965); sie schätzte auch die Veränderungen innerhalb der Kirche, jedochnicht die Veränderungen, die der reinen Neugierde und Improvisationentsprangen. Diese Veränderungen haben viele Köpfe verwirrt und starkepersönliche Krisen verursacht.

            Sie war eine Person voll innerenLebens, sehr zurückhaltend, sehr treu und willensstark. Gleichzeitig war sieliebenswürdig, freundlich und erfüllt von Liebe für alle. Ihr Lächeln war sehrausdrucksvoll.

            Ich glaube, daß der Karmel Gottdanken kann für Nonnen wie sie. Möge die heutige Jugend so großzügig undentschlossen werden wie sie auf ihrem geistigen Weg und in der Befolgung derRegeln, die helfen, die drei Gelübde zu leben." Soweit die Worte diesesPriesters.

            DIE HEILIGEN DESORDENS

            Sie liebte den Orden sehr.  Da sie wußte, wie anregend die Verehrung derHeiligen ist, wollte sie eine Darstellung aller heiligen Frauen unseres Ordensin unserer Kirche. In ihrer Zeit als Priorin malte sie ein großes Bild (2 x1,50 m) für die Seligsprechung von Maria de Jesus.  Das Bild zeigt unsere heilige Mutter, wie sie"ihrer kleinen Gelehrten" das Buch Las Moradas überreicht.

            Außerdem malte sie neben derheiligen Teresa Margarita, wie am Anfang bereits erwähnt, auch unseren Pater S.Elias, die heilige Mutter und die Gründerin unseres Klosters, "Sor EleonorOrtiz". Sie sorgte dafür, daß eine andere Schwester diese Arbeit fortsetzte.Sie ließ sie die selige Isabel de la Trinidad malen und, auf einem anderenBild, die übrigen Mitglieder des Ordens, die heilig oder selig gesprochenworden waren.

            NOVIZINNENMEISTERIN

            VieleTriennien war sie Novizinnenmeisterin. Sie lebte und lehrte durch ihr eigenesLeben die Maxime unseres Heiligen Vaters: "Das Geschaffene vergessen;den Schöpfer in Erinnerung rufen: auf das Innere achten und für den Geliebtenda sein."  Diese Lehre hat sievor allem durch ihr eigenes Leben verbreitet. Sie war ein Mensch weniger Worte.Sie lehrte, schon vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil, was später in Perfectaecaritatis zu lesen war: "Sich Gott in Einsamkeit und Schweigen widmen,in ständigem Gebet und uneingeschränkter Buße."  Sie war der Ansicht, daß Arbeit Buße war. Siewar ein perfektes Beispiel dafür, was arbeiten heißt. Sie lehrte uns: "Jedesoll danach trachten zu arbeiten, damit die anderen zu essen haben."

Währenddes Noviziats zogen sich die Novizinnen gemäß unserer Regel vollkommen in ihreZellen zurück. Sie befolgte die Regel und die Statuten sehr genau. Sie lehrteuns, daß eine unbeschuhte Karmelitin, die das zweistündige Gebet einhielt,jedoch unter tags nicht ständig betete, keine echte Karmelitin und ihrerBerufung nicht treu sei. Sie erklärte uns die Regel. Während des Noviziats lassie uns einige Bücher über die heilige Regel vor.

Sieerzog uns im Geiste unserer heiligen Mutter und lehrte uns alles, was diese unsin ihrem Weg zur Vollkommenheit und in allen ihren Werken - Statuten,Zeremonienbuch und eigene Klosterbräuche - vorschreibt. Sie zeigte uns vorallem durch ihr Beispiel, was wir zu tun hatten. Sie wollte ein für alle Malden Geist des Ordens, die Ermahnungen und Vorschriften unseres heiligen Vatersin unseren Köpfen verankern. Darum bemühte sie sich sehr, denn ihrer Meinungnach war dies eine Hilfe für alle schwierigen Situationen. Sie zwang uns nichtsauf, sondern sie tat es mit Kraft und Sanftmut zugleich.

Siebrachte das Frühstück ins Noviziat. Da sie niemals frühstückte, benutzte siediese Zeit, um auf den Chor zu gehen und ihre persönliche Andacht zuverrichten, bei der sie normalerweise kniete. Niemand sah sie. Sie war eineSeele mit einem umfassenden inneren Leben und sehr tiefem Glauben. Sie liebtedie Eucharistie, die sie physisch und geistig oft besuchte. Nach ihren Gebetenzog sie sich in ihre Zelle zurück und verließ sie nur für Akte der Gemeinschaftund des Noviziats. Sie hielt vollkommenes Schweigen ein und sprach auch mit denNovizinnen nur dann, wenn es ihr nicht möglich war, sich durch Zeichenverständlich zu machen. Sie war eine Seele des intensivsten Gebets und tiefeninneren Lebens.

Dawir sie immer als erste bei der Arbeit erlebten, in all ihrer Tugend undRegeltreue, brauchten wir nichts anderes mehr, um unsere Pflichten und denGeist unsere heiligen Mutter zu verstehen. Sie lehrte uns ständig, "wiewir sein sollten, um die Rettung der Seelen von Gott zu erlangen". Undsie wiederholte weiter: "Wenn du siehst, daß der Orden in irgendeinerWeise herunterkommt, versuche, ein Stein zu sein, mit dem man das Gebäudewieder errichten kann."  Fastniemals gab sie uns konkrete Anweisungen, sondern wir wußten durch ihrpersönliches Beispiel, wie wir zu handeln hatten. Sie ging uns immervoran.  

Siefreute sich, daß die Novizinnen immer fröhlich waren und wiederholte: "Gottbeschenkt denjenigen, der mit Freude gibt."  Es gefiel ihr, daß wir Aufführungen machtenzur Unterhaltung der Gemeinschaft. Sie freute sich, die Schwestern glücklich zusehen. Das Glück der Schwestern war ihre Freude.

Sieging mit den Laiennovizinnen in die Küche und übernahm, wie immer, dieunangenehmste Arbeit. Sie schälte so kleine Kartoffeln, daß sie sich dabei dieHände verletzte. Sie strich die höchsten und schwierigsten Wände der Küche an,um der Laiennovizin zu helfen, die dazu gesundheitlich nicht in der Lage war.Sie ersetzte sie in allem.

Undwenn wir schon von der Küche sprechen: Als sie zum ersten Mal Priorin war,wurde eine der Laienschwestern krank, die sich normalerweise darum kümmerte.Gemeinsam mit einer Hilfskraft übernahm sie die Arbeit und bereitete einenMonat lang das Essen für die Gemeinschaft zu. Die Novizin, die ihr dabei half, sagte: "Was mir bei ihr besondersauffiel, war ihre ständige Verbindung mit Gott. Wenn sie zum BeispielKartoffeln schälte, hatte es den Anschein, als wäre sie abwesend und mit Gottbeschäftigt."

Esist kein Wunder, daß die Schwestern das bemerkten, denn ihr Vorsatz lautete: "Bei allem, was man tut, an Gott denken,Gott lieben und in allem Seinen Willen erfüllen; und diese Handlungen 12 mal in der Stunde erneuern" (alsoungefähr alle fünf Minuten).

Siehatte immer das Leben in Nazareth vor Augen und verband ihre alltägliche Arbeitmit jenem Leben und Apostolat: "Ich habe versucht, Jesus immer inseinem Eifer für die Seelen und Seinem apostolischen Leben in Nazareth zu sehenund es Ihm gleichzutun. Ich will, meinGott, daß mein ganzes Lebenals Karmelitin zu einem heimlichen Apostolat in deinem Herzen wird."Sie lebte intensiv die geistige Kindheit der kleinen Teresa vom KindeJesu.

DIE ERSTE IN ALLEM

Wirhaben schon erwähnt, daß sie sich bei ihrem Eintritt vorgenommen hatte, immerein beispielhaftes Apostolat zu leben. Aber mit der Verantwortung als Priorinwurde es ihr noch wichtiger. Sie gestand sich niemals eine Befreiungirgendwelcher Pflichten zu und bat auch nicht darum, als sie nicht Priorin war.

Wennes in der Gemeinschaft irgendeine Arbeit zu erledigen gab, war sie immer da,selbst wenn sie andere dringende Verpflichtungen hatte. Je schwieriger sie war,desto früher war sie zur Stelle. Sie war die erste, die kam und die letzte, diesich zurückzog. Sie übernahm stets, was der meisten Anstrengung und Demutbedurfte. Sie machte es sich zur Gewohnheit zu kochen, auch wenn sie nicht ander Reihe war, am Fest der Mutter Gottes vom Karmel oder am Gründonnerstag, wowir ein Essen zubereiten, für das wir mehr Zeit brauchen.

Alssie an einem Tag beim Ausmalen auf eine Leiter stieg, rutschte sie plötzlichab, und die Leiter brach entzwei. Sie fiel herunter, riß sich die Handflächeauf und blutete stark. Die Nonnen eilten ihr zu Hilfe. Sie aber tat, als wärenichts geschehen und drückte und klopfte die Fleischwunde mit der anderer Hand.Eine entsetzte Nonne sagte zu ihr: "Aber Mutter, benehmen Sie sich dochbitte normal."  Als sie dieSchwestern so erschrocken sah, antwortete sie mit Nachdruck: "Sie,liebe Schwestern, sind es, die sich nicht normal benehmen."  Der Arzt wurde gerufen und nähte die Wunde miteinigen Stichen.

Siewar eine Person mit gesundem Menschenverstand, sehr gebildet, vollkommenausgeglichen und mit einem erstaunlichen Gedächtnis. Als die Schwestern ihrtolles Gedächtnis bewunderten, antwortete sie: "Ihr, liebe Schwestern,habt halt ein Spatzengedächtnis."

Inder Zeit, wo sie nicht Priorin war, interessierte sie sich sehr für dieGesundheit der einzelnen Schwestern. Sie frage die Novizinnen und die Kranken,ob sie gut geschlafen hätten, zum Arzt gegangen seien und was er ihnenverschrieben hätte. Sie überzeugte sie, daß sie die Medikamente nehmen müßtenund kümmerte sich darum, daß sie nicht darauf vergaßen. Und wenn es notwendigwar, verabreichte sie sie ihnen persönlich.


HEROISCHE CHARAKTERSTÄRKE                         

            Der eineoder andere mag manchmal gedacht haben, daß ihr dieses Leben der Entsagung undOpfer und die Einhaltung der Pflichten nur wegen ihrer ausgezeichnetenGesundheit möglich war. Auf den ersten Blick scheint es so zu sein. Denn sieversicherte immer, "es kostet mich nichts"; "alles geht sehrgut"; "mir tut nichts weh"; " ich kann das leicht tun, esfällt mir nicht schwer", usw. Es war so, daß einige sagten: "M.Concepción wird im Himmel nur eine Krone aus Messing bekommen, weil sie keinOpfer gebracht hat."

            Selbstverständlich werden wir vieleserst im Himmel selbst erfahren, wie die kleine heilige Teresa sagt. Und vorallem auch über diese Mutter, die, wenn wir irgend etwas von ihr erfahrenwollten, uns immer sagte: "Das ist mein Geheimnis". Aberglücklicherweise enthüllte uns die göttliche Vorsehung zu unserem eigenenNutzen ein wenig von dieser begnadeten Seele, damit wir etwas von der Wahrheiterfuhren.

            Angefangen von Kleinigkeiten wieFrostbeulen, rissigen Händen und Füßen, bis hin zu anderen schweren Leiden:alles war für sie ohne Bedeutung. Alles, was sie betraf, war unwichtig. Etwasanderes war es, wenn es, wie schon erwähnt, um das Leiden einer anderen ging.

            Ihr Rezept, das sie uns für dieFrostbeulen verriet, hieß: "Laßt sie wehtun, und nach einer Weile sindsie müde und stören nicht mehr."  Sie gab lediglich ein Pflaster auf die Wunden,um  mit den blutigen Händen nicht dieWäsche der Gemeinschaft zu beflecken, die sie ausbesserte. Das war alles, wassie tat.

            Während ihres ersten Priorats starbihre nach ihr geborene leibliche Schwester an Gebärmutterkrebs. Zufälligerweisegab es zur selben Zeit, als diese sie vor der Operation besuchte, einenweiteren Besuch im Sprechzimmer. M. Concepción setzte einen Akt der Entsagung,indem sie sie weder hineinließ noch den anderen Besuch erwähnte; sie empfingsie einfach am Drehfenster. Sie sah sie nie mehr wieder. Als sie die gleichenSymptome hatte wie die verstorbene Schwester, dachte sie: "Ich werdeniemandem etwas sagen. Meine Schwester hat es gesagt, und die Ärzte haben sieohne Erfolg operiert. Warum soll ich etwas sagen, wenn es keine Rettunggibt?" Daher beschloß sie zu schweigen. Glücklicherweise hatte siekeinen Krebs. Und so führte sie trotz der ständigen Blutung das normaleGemeinschaftsleben weiter, ohne daß jemand etwas bemerkte und ohne sich vonihren Verpflichtungen befreien zu lassen.

            Einmal hatte sie eine Gürtelrose anOberschenkel und Bein. Da sie die Priorin war, erwähnte sie nichts und setztedas Leben normal fort.  Zu einerSchwester, die Apothekerin war, sagte sie: "Können Sie mir etwas füreine Schwester geben, die einige Pickel hat?"  Und die "Magistra", die keineAhnung hatte, worum es ging, gab ihr eine gewöhnliche Salbe, die nichts mit demHerpes zu tun hatte. Damit gab sie sich zufrieden.

Unterdessensetzte sie sich weiterhin wie gewohnt auf den Boden, ohne sich anmerken zulassen, was los war. Da sie so großes Interesse an der Einhaltung derVorschriften hatte und daran, ein gutes Beispiel zu geben, bemerkte niemandetwas. Erst viele Jahre später, bei einem Gespräch über die Gewohnheit derKarmelitinnen, sich auf den Boden zu setzen, beichtete sie einer Schwester: "Manchmalist es mir wirklich schwer gefallen, mich auf den Boden zu setzen; ich hatteSchmerzen; gern hätte ich mich auf ein Bänkchen gesetzt, aber ich dachte: wennich mich erst einmal niedersetze, werde ich mich nie wieder auf den Bodensetzen können. Ich zwang mich selber dazu, mich weiterhin auf den Boden zusetzen. Wenn ich nicht großes Interesse daran gehabt hätte, könnte ich es jetztnicht mehr tun."

Wievielhat diese Mutter ertragen, ohne daß wir es bemerkt haben! Einmal aber gab eseinen Vorfall, den sie uns, wie immer, verheimlichen wollte. Doch Gott sorgtedafür, daß wir Zeugen wurden.

            Es war im Jahr 1982. Sie war 77Jahre alt. Sie betete auf dem Chor den Rosenkranz vor, wie immer kniend.Plötzlich, als sie ein Geheimnis aussprach, wußten wir nicht, was mit ihrgeschah, man konnte sie nicht verstehen. Wir drehten uns nach ihr um und sahen,daß sie ganz blaß war. Sie kniete nach wie vor, und es schien, als hätte sieeinen Schlaganfall. Sie war wie ohnmächtig. Wir setzten sie sofort auf unddachten, ihr Ende wäre gekommen. Nach einer kleinen Weile spuckte sie Blut; wirnahmen an, sie hätte ihr Leben ausgehaucht. Kurz danach gelangte sie wieder zuBewußtsein. Es war Zeit für das Abendessen. Wir wollten sie zu ihrer Zellebegleiten. Sie wollte auf keinen Fall dorthin, sondern wie die anderen und mitihnen in den Speisesaal. Die Schwestern sagten:

Aber Ehrwürdige Mutter, Sie könnennicht in den Speisesaal gehen, Sie fühlen sich ja nicht wohl.

Doch, ich fühle mich sehr gut.

Sehen Sie doch, wie ihre Haubeaussieht.

Als sie sah, daßsie blutbespritzt war, antwortete sie, ohne sich aufzuregen:

Gut, ich werde sie wechseln unddann in den Speisesaal kommen.

Aber Ehrwürdige Mutter, sie dürfenjetzt nicht essen.

Doch, ich kann es.

Aber was werden Sie essen?

Sie fragte:

Was gibt es zum Essen?

Linsen und ... (ein typischmallorquinisches Gericht mit Gemüse. Beides sehr schwer verdaulich).

Sofort antwortete sie:

Also werde ich dasselbe essenwie alle.

 Daraufhin sagte ich, die damals Priorin war, zu ihr:

Ehrwürdige Mutter, Sie könnenjetzt nicht in den Speisesaal gehen, Sie gehören ins Krankenhaus.

IhrGehorsam hat sich mir sehr eingeprägt. Ohne ein Wort zu sagen, war sie bereitdazu. Eine Schwester half ihr beim Anziehen, und als sie die Zelle verließ,sagte sie zu ihr, da sie dachte, sie würde sterben: "Mutter, sollen wirbedauern, sie außerhalb der Klausur sterben gelassen zu haben?"  Sie, die immer so voller Frieden und Ruhewar, antwortete: "Nein, seien Sie ganz unbesorgt, denn ich bin sicher,daß man in den Himmel sowohl vom Spital als auch von der Klausur gelangenkann."

ImKrankenhaus erhielt sie Bluttransfusionen, da sie sehr viel Blut verlorenhatte, sowohl durch das Brechen als auch durch den häufigenDurchfall, über densie nicht hatte sprechen wollen. Und trotzdem hatte sie auf dem Chor gekniet,als ob nichts passiert wäre! Wie mußte sie sich gefühlt haben! Wenn es nach ihrgegangen und das in ihrer eigenen Zelle passiert wäre statt auf dem Chor,hätten wir nie davon erfahren und sie hätte das Klosterleben wie gewohntweitergeführt.

            Da wir sehr besorgt waren, schicktenwir unseren Kaplan ins Krankenhaus um zu erfahren, wie es ihr ging. Erversammelte die Gemeinschaft im Sprechzimmer und sagte: "Ich sollIhnen von der Mutter ausrichten, daß Sie alle "blaies", das heißt, "dumme, törichte undschreckhafte Mädchen" sind.

            Wenn wir mit ihr darüber sprachen,spielte sie es immer herunter und sagte, "daß das überhaupt nichtsgewesen sei, einfach wie ein Aspirin".

            Tatsächlich nahm sie ständigAspirin. Und warum nahm sie dann so viel davon, wenn, wie sagte, ihr nichtswehtat und sie sich wohl fühlte? Als wir sie am Ende ihres Lebens im Vertrauenfragten, um die Wahrheit zu erfahren, antwortete sie einfach: "Nichts,ich habe hier ein wenig Schmerzen" und deutete auf die rechte Seiteihres Rückens. Wie sehr mußte sie nicht nur die rechte Seite des Rückensschmerzen, sondern die ganze vollkommen gekrümmte Wirbelsäule!

            Sie aß normalerweise langsam. Warum?Wie gewöhnlich sprach sie nicht darüber, aber wir bemerkten, daß ihre zweitenZähne niemals wirklich richtig saßen. Wenn sie alleine in ihrer Zelle war, wosie niemand sah, spülte sie den Mund mit Salzwasser. Sie sagte: "DasSalzwasser hilft mit sehr." Und mit dem Fingerhut schliff sie dasGebiß dort ab, wo es sie drückte. Wenn wir sie fragten, ob sie Schmerzen hätte,antwortete sie jedes Mal: "Es geht mir sehr gut."  Wir sahen aber, daß die Zahnprothese zugroß war und bestanden darauf, daß sie sie sich richten ließ. Das lehnte sieentschieden ab: "Sie sitzt sehr gut", und dabei bleib sie.

            "Es geht mir sehr gut.""Das kann ich machen." "Es tut mir nichts weh." "Eskostet mich keine Mühe." "Ich merke das gar nicht", etc. Sodrückte sie sich üblicherweise aus, mit der größten Treuherzigkeit undNatürlichkeit, wenn jemand ihre Bemühungen lobte. Bei ihr konnte alles Ungemachzur gleichen Zeit passieren, es änderte doch nichts an ihren Worten. Alledachten: Was für eine eiserne Konstitution und Gesundheit hat diese M.Concepción, niemals fehlt ihr irgend etwas! Sie scheint wie der heilige Petrusvon Alcántara zu sein, "aus Baumwurzeln  gemacht."

Wowar bei ihr die Grenze des Könnens und Nichtkönnens? Sie war einfach vollkommengewöhnt daran, mit weniger als nichts auszukommen. Wenn es zum Beispiel dunkelwurde und wir danach trachteten, die Zellen mit Öllampen zu erhellen, sagtesie: "Nein, ich brauche kein Licht; ich habe mich daran gewöhnt, imDunkeln zu sein und es geht mir so sehr gut." Dadurch lüftete sieeines ihrer Geheimnisse: Sie hatte sich von Anfang an an die vollkommene undabsolute Verleugnung ihrer selbst in allem gewöhnt: in materiellen undgeistlichen Dingen; betreffend Empfindungen und Haltungen; Natürliches undÜbernatürliches; in allem ...; Sie ging im Finstern, "nur mit der Führungdes Lichtes, das in ihrem Herzen brannte".Und sie fügte hinzu: "Und es geht mir dabei sehr gut." Unserheiliger Vater sagt es schon: "Oh seliges Glück!"

            Einmal bei Tagesanbruch konnte siekaum gehen, es kostete sie große Anstrengung. Sie ging sehr langsam. Wir riefeneinen Arzt; er sagte, es wäre das Rheuma und man sollte sie einreiben. DieKrankenschwester tat es, aber es schien keine Erleichterung zu bringen. Einanderer Arzt untersuchte sie, bestätigte die Rheuma-Diagnose und ordnete weitereEinreibungen an. Die Krankenschwester bemühte sich mit ganzer Kraft um sie. M. Concepción sagte nichts. Wenn sie gefragt wurde, woran litt, antwortete sie: "an einbißchen Rheuma". Wir dachten: "Wie seltsam, sie ist opferwilligund hat ein wenig Rheuma, und doch scheint ihr das Gehen jetzt solcheSchwierigkeiten zu bereiten! Trotzdem stieg sie die hohen Stufen der kleinenTreppe zur Kanzel hinauf, um im Refektorium zu lesen. Sie stieg Treppen hinaufund hinunter; sie ging hin und her, denn man sagte ihr, sie müsse Übungenmachen; sie gehorchte immer ohne den geringsten Widerstand, aber man merkte ihran, daß sie kaum einen Schritt tun konnte. Das ganze Bein begann anzuschwellen.Schließlich brachten wir sie ins Militärkrankenhaus. Dort stieg sie alleine dieStufen hinauf. Sie wurde geröngt. Eine Hüfte war gebrochen! Sie mußten ihr einkünstliches Hüftgelenk einsetzen. Und man hatte ihr so oft die kaputte Hüfteeingerieben! Und die Mutter hatte geschwiegen.

            Die Operationsnähte hatten sichschon ziemlich eingewachsen, so daß die Assistentin Mühehatte, sie zu entfernen. Sie mußte ins Fleisch schneiden, um die einzelnenNähte herauszuziehen. Da sie nicht klagte und nichts sagte, fragten wir sie, obes ihr weh tue: "Es tut nicht weh", antwortete sie uns. Wirfragten sie, was sie fühlte. Und sie sagte, ohne der Sache die geringsteBedeutung beizumessen: "Nichts, es ist wie ein Kitzeln."

            Im darauffolgenden Jahr fiel sie vonder Pritsche, und abgesehen von dem schweren Schlag, den sie dabei im Gesichterlitt, so daß uns der Anblick ihrer vielen Blutergüsse weh tat, brach sie sichden Daumen der rechten Hand und die andere Hüfte. Als die Ärzte sahen, mitwelcher Stärke sie die Schmerzen ertrug und was für eine einmaligeGeisteshaltung sie hatte, waren sie sehr beeindruckt und sagten: "Es wäreschön, wenn unsere Patienten nur die Hälfte des Mutes dieser Dame hätten." Und fügten hinzu: "Wenn alleKranken wie Sie wären, hätten wir Ärzte nicht so viel zu tun."

            Zwei Tage nach der Operationerzählte uns eine weltliche Krankenschwester des Karmel, die mit derGemeinschaft sehr befreundet war, daß die Mutter zuihr gesagt hatte: "Mal sehen, liebe Schwester, zeig mir, wie man mitKrücken geht." "Liebe Mutter, die Wunde ist noch ganz frisch, Siewurden erst vorgestern operiert!" Da sie darauf bestand, ließ sie ihr ihren Willen. Sie tat einen Schrittund fiel nur deshalb nicht hin, weil ich sie hielt. Ich sagte zu ihr:"Mutter, Sie sind schon einmal hingefallen." Sie antwortete mir: "KommenSie, lassen Sie es mich probieren noch einmal,und noch einmal." Und beim nächsten Mal passierte dasselbe. Aberdennoch wollte sie es von neuem versuchen. Beim dritten Mal sagte ich zu ihr:"Mutter, Sie sind schon dreimal hingefallen." Und sie antwortete: "Duwirst es mir dann halt an einem anderen Tag zeigen." Sie hatte einegroße Stärke und einen unglaublichen Willen.

            Nach dem zweiten künstlichenHüftgelenk mußte sie schon eine Gehhilfe benützen, denn sie hatte fast keineStandsicherheit. Als sie ins Kloster kam, bestand sie darauf, wie die anderen,Palmzweige zu binden für den Palmsonntag, obwohl sie nach der Operation nochrekonvaleszent war und den rechten Daumen in Gips hatte.

            Sie versäumte auch nicht, pünktlichan allen Aktivitäten der Gemeinschaft teilzunehmen, am Samstag zu fegen undihren Wochendienst in der Küche zu verrichten. Wie wahr ist es doch, daß dieLiebe für alles eine Lösung findet! Nurihre Liebe für Jesus, ihr Eifer, die Seelen zu retten und ihre Liebe für uns,mit der sie uns helfen und bis zuletzt ein Beispiel geben wollte, vermochtenes, ihr eine solche Stärke und einensolchen Geist zu verleihen.

Siestellte den Topf auf die Gehhilfe, die sie mit einem großen Plastik abgedeckthatte, um sie nicht zu beschmutzen. Sie füllte ihn mit Wasser und brachte ihnzum Herd. Da sie jeden Tag ein bißchen gekrümmter ging, reichte sie fast nichtbis zur Feuerstelle; und so kochte sie; sie hantierte mit den Pfannen vollerÖl, daß man Angst hatte, sie würden auf sie fallen. Wir sagten ihr, daß sie inihrem hohen Alter solche Arbeiten nicht mehr machen konnte. Sie antwortete: "Washat das damit zu tun? Auch wenn ich 100 Jahre alt wäre!" Und fügtehinzu: "Unsere heilige Mutter sagt: Schauterst auf die Notwendigkeit, dann auf das Alter; denn oft wird das Alter die Notübertreffen". Sie bestand darauf, daß es ihr nichts ausmachte, dasalles zu tun und daß wir sie um Gottes Willen nicht aus der Küche verbannensollten; sie würde uns schon sagen, wenn sie nicht mehr könnte, aber momentansei sie dazu absolut imstande: "Es fällt mir nicht schwer."  Da uns klar war, daß Gott sie uns gegebenhatte als Beispiel an heroischer Tugend und Pfeiler der Regeleinhaltung und daß alles, was sie tat, in den Augen Gottes vongroßem Wert war und zum Guten der Kirche, ließen wir sie gewähren.

            Bei einigen Gelegenheiten hatte siegeäußert, wie sehr eine Seliggesprochene sie beeindruckt hätte, die totalerblindet war und trotzdem weiterhin alle Arbeiten in ihrem Haus erledigte, sodaß der Gatte ihre Blindheit nicht bemerkte. Bis er sie eines Tages bat, siemöge ihm die Zeitung vorlesen. Erst dann mußte sie ihm sagen, daß sie nichtmehr sehen konnte.

            Einmal, als sie auf der Pritscheruhte, bemerkte die Schwester, die sie seit demersten Bruch einer Hüfte immer bei ihr war, daß sie zuerst das eine und dann dasandere Auge schloß, die Finger in Augenhöhe brachte und abwechselnd mit einemoffenen und einem geschlossen Auge ihr Sehvermögen prüfte. Da Mutter Concepciónnormalerweise niemals etwas Eigenartiges tat, sondern die ausgeglichenstePerson war, fiel es ihr auf und sie fragte, was sie da mache. Die Mutter ließsich nichts anmerken und tat, als würde sie schlafen. Als sie dachte, dieSchwester wäre eingeschlafen, wiederholte sie den Vorgang. Diese war alarmiertund fragte, was sie hätte. Da im Augenblick striktes Schweigegebot bestand,machte sie ihr Zeichen, still zu sein.

            Als die Schwester am Tag daraufnicht aufhörte, ihr Fragen zu stellen, mußte sie ihr versprechen, niemandemetwas zu sagen, andernfalls würde sie ihr nichts erzählen. Sie versprach es. Erstdann lüftete sie das Geheimnis: Am Tag unserer heiligen Mutter vom Karmel warsie plötzlich auf dem rechten Auge erblindet. Und niemand hatte etwas gemerktoder vermutet!

            Als wir am 2. November 1990 zumersten Mal Dr. Manuel de Timoteo Barranco aufsuchten, der sie bis zu ihrem Endemit so großem Interesse betreute und dem wir sehr dankbar dafür sind, sagte erzu uns: "Beim Weiten der Pupille sah ich, daß sich hinter dem grauen Star eine weitfortgeschrittene Ablösung von zwei Drittel der Netzhaut gebildet hat; dieAussichten sind sehr schlecht." Erinformierte die Patientin darüber und auch, daß nichts mehr zu machen war. Erbewunderte ihre Gelassenheitund ihre ungewöhnliche Charakterstärke, mitder sie die Krankheit als gottgewollt akzeptierte, und die vollkommeneErgebenheit vor der Herausforderung, nur aufeinem Auge zu sehen. Gerade auf diesem Augehatte sie infolge beginnenden grauen Stars nur mehr eine 40%ige Sehkraft. Nachund nach stellten sich auch bei dem "guten Auge" Komplikationen ein,so daß ihr nur mehr eine geringe Sehkraft in die Ferne und eine minimale in dieNähe blieb; bis ans Ende ihrer Tage mußte sie eine große Lupe zur Hilfe nehmen.

            Dr. Timoteo  war sehr verwundert über ihre Gelassenheit,und als er von ihrem Tod erfuhr, schrieb er uns wörtlich: "Nie beklagtesie sich über die Behandlung; sie war gefügig und resigniert; sie litt imStillen und nahm es als Opfer an für das Leiden des Herrn. Und sie sagte zumir, daß es immer noch Menschen gäbe, die mehr litten als sie. Es war für sieeine Herausforderung, und sie war bereit, sich ihr zu stellen." "Miteiner außergewöhnlichen Willenskraft und erstaunlichen Ruhe sagte sie, daß sie akzeptiere,wenn es der Wille des Herrn sei, daß sie erblinden solle. Sie lebte außerhalb von sich selbst, in ihrem "innerenSchloß", und alles was um sie herum geschah, ausgenommen was mitNächstenliebe zu tun hatte, und ihre Leiden waren, wie sie sagte, "Stufenum hinaufzugelangen". Ihre Charakterstärkeund ihr Glaube erstaunten mich. Sie war für mich, einen Mann von geringemGlauben, ein Beispiel für innere Kraft und Heiligkeit; nicht für Gefühlsduselei, sondern für täglich gelebte Heiligkeit. Diese Nonnewar ein Beispiel für Buße, Standhaftigkeit und Heiligkeit dank der Kraft desGebets. Möge sie in Frieden ruhen und Vorbild für uns alle sein."

            Ich mußte mich auf Dr. Timoteoberufen, um sie künftig vom Küchendienst fern zu halten, denn obwohl sie miteiner Gehhilfe ging und fast blind war, sagte sie nach wie vor: "Ichkann das machen:"  Der Arztsagte ihr, daß der Dampf aus den Töpfen ihre Augen schadete.

SELBST WENN DU MICH TÖTEST,

WERDE ICH AUF DICH HOFFEN UND DIR VERTRAUEN

            Das hatte sie dem Herzen Jesu am Tagihrer Weihe versprochen. Und dies hielt sie tatsächlich jeden Tag ihres Lebenein, bis zu ihrem Tod. Als eine Schwester sie fragte, ob sie dunkle Nächte verbracht habe, von denen unserHeiliger Vater spricht, vertraute sie ihr an: "Wenn das irgendwanneinmal passierte, habe ich mich sofort zu meinemGlauben, der Hoffnung und der Liebe bekannt."Und sie erzählte ihr von einem Heiligen, der, als ihm während der Feier der HeiligenMesse vom Teufel eingeredet wurde, er sei in die Hölle verdammt,  die Hostie fest indie Hände nahm und ausrief: "Herr, wenn ich so unglückselig sein soll,Dich auf ewig zuverlieren, jetzt, da ich dich habe, werde ich dichnicht mehr loslassen."

            In ihrer tiefsten Demut und ihremintensiven theologischen Leben sagte sie immer wieder: "Ich weiß, daß ich mich verdammen kann,aber ich bin davon überzeugt: Ich weiß, daß es alleine meine Schuld sein wird,denn Du bist gerecht und heilig. Daher möchte ich Dich jetzt anbeten undverherrlichen."

            Seit vielen Jahren schon wiederholtesie den Satz der kleinen heiligen Teresa: "Ich scheue nicht vor einemlangen Leben zurück, aber wenn es Dir gefallen sollte, möchteich zum Himmel fliegen." Sie wünschte sich den Himmel, um bei Christuszu sein, doch wie der heilige Paulus sah sie, daß das Wichtigste für uns war, daß sie bei uns blieb.

            GEHEIME SEELSORGEDER KARMELITINNEN:

VERSTECKT IM HERZEN JESU. DURST NACH LIEBE UND SEELEN.

            "Ich möchte, mein Gott, daßmein ganzes Leben eine Seelsorge auf Karmeliterart sei, versteckt in deinemHerzen."

            "Der Pater hat aus den heiligenEvangelien über die Kreuzigung gelesen, dann hat er uns in die Zelle geschickt,damit wir vor dem Kruzifix die Meditation beendeten. Ich habe das Evangeliumdes heiligen Johannes gelesen, und die Stelle, wo er sagt "Ich habeDurst" hat mich sehr beeindruckt. Ich stellte mir vor, daß Jesus michansah und zu mir sagte: "Ich habe Durst nach Liebe und nach Seelen";ich versprach Ihm, alles zu tun, um Seinen Durst zu löschen, doch müßte Er essein, der mir das möglich macht." (Exerzitien1971).

            Da sie in ihren letzten Lebensjahrenfast blind war, bat sie mich, ob wir ihr eine Art Bild zum Aufhängen in ihrerZelle machen könnten, mit großen Buchstaben geschrieben, damit sie es vor Augenhabe. Die Worte, die sie aufgeschrieben haben wollte, kannte sie auswendig undwiederholte sie uns ständig als das Beste, das wir für die Kirche tun könnten: "DieBetrachtung der heiligen Geheimnisse und die ständige Vereinigung mit Gott imGebet sind nicht nur das erste und oberste Gebot der unbeschuhtenKarmelitinnen, sondern stellen das eigentliche Wesen ihrer Berufung und dieeigene und ausschließliche Seelsorge ihres ganz der Betrachtung gewidmetenLebens dar. Bemühen Sie sich daher täglich, im Zwiegespräch mit Gottvoranzukommen, damit ihr ganzes Leben zu ein Gebet wird.“ (Cfr. can.663-1).

            Eine so mit Gott verbundene Seelebrannte ausschließlich für Ihn. Ständig flehte sie um das Feuer des HeiligenGeistes für die ganze Welt. Sie fand immer mehr Sinn in der heiligen Messe,wobei sie sich selbst als Opfer mit dem göttlichen Opfer für die ganze Welthingab. In der Eucharistie fand sie die Kraft für ihre tägliche Weihung undständige Aufopferung. Das war ihr Leben. Sie fühlte sich so erfüllt von Gott!Und voll enormer innerer Freude und Dankbarkeit sagte sie zu uns: "Wiesehr merkt man doch, daß wir oft zur Kommunion gehen, manchmal sogar zweimal amTag!" "Merken Sie es,ehrwürdige Schwester?" "Ja!"

            Die Rettungaller Seelen lag ihr am Herzen und auch dermaterielle Wohlstand all unserer Brüder und jener, die in Missionen tätig sind.Daher bemühte sie sich sehr, sogar als sie nicht Priorin war (bis zu ihrem Todwar sie aber Schlüsselmeisterin), daß Almosen verteilt wurden, um die geistigenund materiellen Bedürfnisse auf der Welt zu lindern. Sie hatte uns gelehrt: "Jedeeinzelne möge versuchen zu arbeiten, damit die anderen zu essen haben."Diese Worte unserer heiligen Mutter, die sich auf die Gemeinschaft beziehen,wandte sie für die ganze Welt an; daher arbeitete sie gerne für dieses Ziel,damit wir allen Menschen in ihrer Not helfen könnten.

            Wenn eine heilige Messe nach ihrerIntention zelebriert werden sollte oder wenn sie die Gelegenheit dazu hatte,opferte sie für die Kirche in Not, um so jenen Priestern zu helfen.

            Sie liebte alle, beginnend bei denihr am nächsten Stehenden der eigenen Gemeinschaft. Aber ihr Eifer ging vielweiter, bis in den entferntesten Winkel derErde. Sie betete und opferte sich für alle und für jeden Einzelnen. Niemandwurde ausgeschlossen von ihrem Gebetsleben und von ihrer Liebe in der Kircheund zur  Kirche; sie liebte diese innigst. Fürsie brachte sie sich selber als Opfer dar und betete um ihre Heiligkeit. Siewar sich ihres Apostolats als kontemplative Seele im Herzen der Kirche sehrbewußt und lebte mit Christus in Gott versteckt.

            "Ich glaube, daß, je höher man gestiegenund je näher man dem Gipfel ist, eine noch größere Anstrengung erforderlichist, damit man sein Ziel erreicht. Je mehr Jahre also vergangen sind und jenäher man dem Tod ist, um so mehr muß man sich anstrengen, um die verloreneZeit nachzuholen, denn da sie knapp ist, darf man keine Minute verlieren. HerzJesu, auf Dich vertraue ich und Du wirst mir die nötige Kraft geben." Dies sind die letzten Exerzitien, die sie schrieb, geleitet von P. JuanBosco de Jesús, O.C.D. Danach verlor sie ihre Sehkraft.

            Es war die Liebe, die sie nichtruhen ließ. Die Erlösung! "Ich ergänze in meinem Fleisch, was demLeiden Christi für die Rettung seines Leibes fehlt, der die Kirche ist; dieRettung und den Eifer für die Seelen; den Ruhm Gottes; den Ausruf Jesu amKreuz: "Ich dürste nach Liebe und nach Seelen"; ihr eigener Ausruf:"damit du herrschst"...

            Einmal schrieb sie in denExerzitien: "Ich bin eine Tochter der Kirche. Alles läuft auf ein Worthinaus: LIEBE".Sie hatte den brennenden Wunsch, daß alle Völker zum Evangelium bekehrt würden.Sie betete viel, sehr viel, für das Vorhaben des Papstes: DIE NEUE EVANGELISIERUNG!

            Gott hatteihr ein sehr gutes Gedächtnis geschenkt, das sie befähigte, sich an vielePersonen zu erinnern und sie Ihm namentlich anzuvertrauen. Manchmal geschah es,daß irgendein Priester kam oder zum Beispiel D. Rafael Stern, "der heiligePaulus des 20. Jahrhunderts", wie man ihn nannte, der im Laufe der Jahreeinige Male zu Besuch kam. Auf die Frage, ob wir uns an ihn erinnerten, sagtesie in aller Schlichtheit: "Ich vertraue Sie jeden Tag Gott an."Wir waren beeindruckt von ihrem Eifer und ihrer großen Nächstenliebe. Sie warvollkommen vom Heiligen Geist erfüllt und versunken in der Dreifaltigkeit,wobei sie sich immer natürlich und äußerst freundlich uns allen gegenüberverhielt.

            DER BRÄUTIGAMKOMMT!

„ICH DARF NICHT EINE EINZIGE MINUTE VERLIEREN"

            Schon imJahr 1958 schrieb sie: "Was werde ich mir in der Stunde meines Todeswünschen? Mein Gott, ich möchte jetzt gleich beginnen, das zu wählen, was mirin jener Stunde den größten Frieden bringen wird."

            Sie hatte sich vorgenommen: "Ichwerde danach trachten, täglich die heilige Kommunion so zu empfangen, als obsie das Viatikum wäre". Sie sollte noch weitere 41 Jahre auf dieserWelt leben. Trotzdem war sie schon seit langem in jedem Augenblick bereit zusterben: "Ich werde mich bemühen, das zu wählen, was mir in jenerStunde den größten Frieden bringt." "Arbeitet so, wie ihr es euch ineurer Todesstunde wünschen würdet, gearbeitet zu haben." Diese letztenWorte, die sie uns bei fast allen Ordensversammlungen in ihrer Zeit als Priorinwiederholte, lebte sie uns vollkommen vor. Täglich betete sie aus ganzem Herzenum die Annahme des Todes, verbunden mit einemvollkommenen Ablaß.

EineSchwester fragte sie eines Tages, ob sie glaubte, ins Fegefeuer zu kommen. Inihrer Demut antwortete sie, daß sie sich in den Armen Gottes vollkommen daraufverlasse, was Er für sie wolle. Da dieSchwester nicht locker ließ, antwortete sie ihr, daß der Papst ihr für dieseuneingeschränkte Annahme des Todes einen vollkommenen Ablaß für diese Stundegewährt habe; aus diesem Grunde glaube sie nicht, daß sie ins Fegefeuer kommenwürde. Und sie fügte hinzu: "Vielleicht wird jemand denken, daß ichruhig bin wegen der Dinge, die ich getan habe. Nein, nichts davon. Ich fühle mich"als wertlose Dienerin ohne irgendeinen Verdienst". Ich ruhe michnicht auf meinen Werken aus, sondern auf den grenzenlosen Verdiensten Christiund füge ihnen alles, was ich tue, hinzu."

            Sie spürte in ihrer Seele "dieFlamme der lebendigen Liebe" brennen. "Beende mein Leben schon, wennDu willst, zerreiße den Schleier dieser süßen Begegnung". Während siediesen glücklichen Moment erwartete, ließ sie nicht im geringsten in derRegeleinhaltung nach, sondern ganz im Gegenteil, denn sie sagte: "Ichdarf nicht eine einzige Minute verlieren." Wenn sie bis dahin niemalsMitleid mit sich selbst gehabt hatte, so schien sie es jetzt noch weniger zuhaben: "Ich darf nicht eine einzige Minute verlieren.""Lieben heißt, sich hinzugeben, sich zu vergessen, sich für denjenigen,den man liebt, zu opfern", hatte sie uns so oft gesagt.

Undsie wollte sich hingeben, sich vergessen, bis zum Ende mit der größtenLiebenswürdigkeit und Freude. Zu Beginn ihres religiösen Lebens sagte sie: "Wennich tausend Mal wählen müßte, würde ich, so scheint mir, immer dasselbewählen." Und am Ende ihres Lebens sagte sie schon nicht mehr"scheint mir", sondern sie bekräftigte fest entschlossen: "Wennich tausend Mal eintreten sollte, würde ich es noch tausendMal tun." Sie versicherte uns bisweilen, daß sie im Karmel immer unendlich glücklich gewesen sei.

            Obwohl sie kaum gehen und sich nichtauf den Beinen halten konnte, obwohl sie ziemlich taub und fast blind war, undtrotz ihrer 93 Jahre stieg sie jeden Tag die Stufen hinauf zur Kleiderkammer,um zu flicken - ohne zu sehen! -, denn "sie mußte arbeiten." Und dort verbrachte sie die Vormittage;mit der größten Selbstverständlichkeit nahm sie an allen Aktivitäten derGemeinschaft teil, kommentarlos, problemlos, so als ob alles bei ihr in Ordnungwäre.

Sienahm auf dem unteren Chor an der heiligen Messe teil, wofür sie die nichtgerade niedrigen Stufen hinunter und hinauf steigen mußte. Sie versuchte, dasalles alleine zu bewältigen und wollte nicht, daß man sie stützte, um niemandemzur Last zu fallen. Einige Schwestern nahmen auf dem oberen Chor an der Messeteil, und wenn diese sie hinuntergehen sahen, älter als sie und mit vielleichtnoch mehr Beschwerden, waren sie sehr erstaunt. Abgesehen davon, daß sie niedarüber sprach, wußten sie tatsächlich nicht,daß sie so alt war. Eine Novizin, die neugierig auf ihre Reaktion war, wollteüber dieses Detail mit ihr reden. Sehr heiter antwortete sie: "Aber esist für mich überhaupt kein Problem, hinunter zu steigen."  Sie war nicht überrascht, stolz oderkritisch und fühlte sich auch nicht denen überlegen, die oben blieben.

            Ende 1998 hatte sie einen schwerengrippalen Infekt. Wir riefen unseren Hausarzt Dr. D. Vicente Pieras. Er warsehr erstaunt über die Stärke und Heiterkeit der Mutter. Denn als er siefragte, was los sei, ob sie sich nicht wohl fühle, antwortete sie, daß es ihrgut ginge, daß wir es seien, die alarmiert wären wegen einiger ZehntelgradeFieber; dabei hatte sie zwischen 38 und 39°. Und D. Vicente rief aus: „Sie sagteinige Zehntel! Also mir scheint es vernünftig, wenn sie eine Zeitlang nicht sofrüh aufsteht, nicht zur Messe hinuntergeht und ihre Zelle nicht verläßt, umins Refektorium zu gehen, damit sie sich nicht erkältet. Sie ging doch auf denoberen Chor, denn dieser befand sich unweit ihrer Zelle. So verbrachte sieeinige Zeit. Sie bestand darauf, daß ich sie zusammen mit der Gemeinschaft zurMesse hinunter gehen ließ. Jeden Tag maßen wir ihre Temperatur. Am Tag derUnbefleckten Empfängnis ging sie mit der Gemeinschaft zur Messe.

            DER LETZTE TAGIHRES LEBENS

            Mit der Konventualmesse beendetenwir die Exerzitien, in der P. Jacinto Maria de la Cruz, O.C.D. gepredigt hatte.Sie verfolgte die Messe mit den Kranken von oben aus. Zum Abschluß erteilte unsder Pater den Apostolischen Segen mit einem Generalablaß. Am Nachmittag, nachder Nonastunde, hatten wie die Friedensumarmung der Gemeinschaft. Da sie sich zu dieser Stunde in ihrer Zelle ausruhte, ging eineSchwester zu ihr, um sie zur Umarmung zu holen. Sie kam, als noch einegrößere Gruppe von Nonnen anwesend war. Alle bemerkten, daß M. Concepción voneiner unbeschreiblichen, tiefen inneren Freude erfüllt war, die sich in einemso himmlischen, engelhaften Lächeln äußerte, daß sie es nicht verbergen konnte.Strahlend vor Glück umarmte sie uns. Immer wieder hatte sie uns gesagt: "DiesesLeben ist der Himmel - wenn es ihn auf Erden geben kann - für diejenige, dienur den Willen Gottes erfüllen will. Wenn man sich mehr wüscht, verliert manalles; man kann es nicht haben".

 Selbst in der Zeit, wo sie kränklich war, nahm sieaußer an Laudes und Nona an den sonstigen liturgischen Stunden mit großem Interesse und Pünktlichkeit teil.Während des Chorgebets erhob und setzte sie sich wie irgendeine gesunde Nonne, obwohlsie das Brevier nicht lesen konnte und fastnichts verstand. Weshalb sie danach außerdem noch die Vaterunser betete, diedie Regel vorschreibt, obwohl sie aufgrund ihrer Anwesenheit am Chor, wie wirihr sagten, dazu nicht verpflichtet sei; und dies bis zur Mettestunde in der Nacht, in der das HerzJesu sie heimholte. Bei diesem Mettegebet  bemerkten dieSchwestern, die an ihrer Seite waren, daß sie sehr schwer atmete. Trotzdemsagte sie wie immer: "Es geht mir sehr gut, mir fehlt nichts."

            Da wir fast alle an Grippe erkranktwaren, verlegten wir das Mettegebet vor und gingen früherschlafen. Die Schwester, die seit 12 Jahren die Zelle mit ihr teilte,half ihr, sich niederzulegen. Wie sie es gewohnt war,machte sie vor dem Schlafengehen einen Akt der Reue, wobei sie sich an dieBrust schlug und mit großer Liebe und Ehrfurcht das Kreuz küßte. Sie sprach dasGebet der Akzeptanz  des Todes und legte sich nieder. Siebat die Schwester, für eine bestimmte Seele zu beten - ohne ihr zu sagen, fürwelche. "Es ist nicht so, daß ich etwas weiß, aber diese Seele ist mireingefallen". Die Schwester half ihrbeim Gebet. Sie betete die drei Ave Maria. Danach wiederholte sie diese Gebete,weshalb die Schwester sie aufmerksam machte: "Die drei Ave Maria haben wirschon gebetet". Sie antwortete: "Diese waren für mich, jetzt beteich für diejenigen, die nicht beten."  Wie gewohnt, sprach sie auch viele andereGebete. Bevor sie einschlief, antwortete sie auf die Frage der Schwester,welche Personen sie am meisten von allen liebte: "Das Herz Jesu und dieheilige Jungfrau."  Das warnachts um 22:30.

TAGESANBRUCH  DES 7.FEBRUAR 1999:

"ICH MUSS HINAUFSTEIGEN!"

Nach2:00 Uhr morgens verspürte sie ein Bedürfnis und erhob sich im Finsternalleine, ohne die Begleiterin zu rufen, die sie nicht stören wollte.Ihrer Brust entkam ein eigenartiges Geräusch, das jedoch nichts mit der Atmungzu tun hatte. Die Schwester stand sofort auf undfragte sie, was dieses Geräusch bedeute. Sie sagte, ohne im geringstenalarmiert zu sein oder ihre gewöhnliche Ruhe zu verlieren, daß sie es nichtwüßte. Sie hatte ganz weiße Lippen, auf denen sich Schaum bildete. Das Geräuschdauerte an. Sie stand aufrecht, während die Schwester sie zurechtmachte. Siemußte große Schmerzen haben und sah ihre rechte Hand an. Auch die Schwester tatdas und sah, daß ihre Venen sehr dunkel, fast schwarz waren. Sofort zog sieihre Hand zurück, damit die Schwester sie nicht sähe. Sie klagte nicht, siesagte nichts, sie bat um nichts.

DieSchwester fragte: "Liebe Mutter, was ist mit Ihnen? Sie sterben!" DieMutter sah sie mit unsagbarer Zärtlichkeit an, doch sie bat sie um nichts undblieb aufrecht stehen. "Geht es Ihnen schlecht?" Das bejahte sie miteinem Kopfnicken. "Soll ich unsere Mutter rufen? Oder den Arzt?"

Eswar früh morgens, die ganze Gemeinschaft schlief; die Schwester wollte nichtweggehen, um jemanden zu holen und sie gerade in diesem Moment alleine lassen.Da sie sah, daß die Schwester nicht wußte, wassie tun sollte, entschied sie selber; und wie der hl. Ludwig Gonzaga, der einesTages während der Erholungszeit auf die Frage, was er täte, wenn er in diesemMoment sterben würde, antwortete: "ich würde weiterspielen", tat siees. Da es Zeit zum Schlafen war, wandte sie sich mit Entschlossenheit derPritsche zu, so als ob nichts besonderesgeschehe. Es war ihr höchster und letzter Versuch, den Willen Gottes zuerfüllen. "Liebe Mutter, was tun Sieda?" "ICH MUSS HINAUFSTEIGEN!Ich muß hinaufsteigen!" wiederholte sie. Und übergab Gott ihreSeele. Sie stieg nicht auf die Pritsche, sondern viel höher: in die Armeunseres himmlischen Vaters. Es war punkt 2:15 Uhr im Morgengrauen des Sonntags,7. Februar 1999. Sie war 93 Jahre, 9 Monate und 13 Tage alt.

Niemals hatte sie über Schmerzen geklagt odergesagt, daß es ihr schlecht ging. Doch in dem Moment, als sie zum ersten Maldie Frage mit einem Kopfnicken bejahte, starb sie.

TRAUERGOTTESDIENST UND BEGRÄBNIS

DerTrauergottesdienst fand am darauffolgenden Tag, einem Montag, um 18:30 Uhrstatt, geleitet von unserem Kaplan Dr. D. Juan Torres, Delegierter der Diözese für Volksfrömmigkeit. Er feiert die Liturgie immermit so viel Würde und Andacht. 18 Priester konzelebrierten, davon waren zweiCousins von M. Concepción. Als die Feier zu Ende war, bat D. Juan dieAnwesenden, sich zu setzen, und sagte unter anderem: "Der Gerechteleuchtet in der Finsternis wie ein Licht..." Diese Worte, die wir gestern,Sonntag, im Responsorialpsalm sangen, könnte man als eine Zusammenfassung desganzen Lebens von M. Concepción sehen. In Anbetracht eines so außergewöhnlichenLebens können wir Gott nur danken, daß er uns inmitten all unserer Finsternisdieses bewundernswerte Licht geschenkt hat, das uns zur Nachahmung anregt. Ichmöchte weder ein Loblied auf sie singen noch sie heilig sprechen; ich möchtelediglich die guten Beispiele anführen, die es auf der Welt gibt inmitten sovieler schlechter Nachrichten. Das ist es, was uns das gestrige sonntäglicheEvangelium sagt: "Damit sie, wenn sie eure guten Werke sehen, den Vater imHimmel verherrlichen." Dies war meine Absicht bei dieser abschließendenkurzen Ansprache, und das soll der Zweck unsere Lebens sein."

Dermit der Bestattung der Nonnen kontemplativer Orden Betraute war, obwohl erbereits 52 Klosterschwestern beerdigt hatte, tief beeindruckt, wie die Menschenuns darum baten, mit ihren Rosenkränzen und Kruzifixen ihren Körper  berühren zu dürfen; sie baten uns um kleineStücke ihres Skapuliers, und er selbst schnitt als erster ein Stück aus ihremUmhang. Er empfahl sich ihrem Schutz, da er schon von klein auf (er ist 45Jahre alt), sogar erblich bedingt, unter einer sehr schmerzhaften Arthrose desNackens und des Kopfes litt, die sich bis in seinen linken Arm ausbreitete. DieMedikamente verschafften ihm kaum Linderung; er hatte alle möglichen Mittelausprobiert und hatte sich selbst schon aufgegeben. Als er also sah, was mit M.Concepción geschah, richtete er eine kurze inständige Bitte an sie, wobei ersie gleichzeitig an der Stirn berührte. Heimlich führte er die Finger, mit derer sie berührt hatte, an die so schmerzenden Stellen, und augenblicklich verschwand der Schmerz und istbis heute, fast ein Jahr danach, nicht zurückgekehrt.

Zumeinem großen Bedauern konnte ich weder am Trauergottesdienst noch am Begräbnisteilnehmen. Ich hatte hohes Fieber und mußte dieses große Opfer bringen. DieSchwestern, die dort waren, berichteten:

Alssie in das Grab gelegt werden sollte, paßte der Sarg nicht in die Nische, esfehlten einige Zentimeter, so daß der Maurer begann, sie zu vergrößern. Demoben erwähnten Bestatter erschien es jedoch angebrachter, einen etwas kleinerenSarg zu holen, den er in der Werkstatt hatte. Da Pilar de Oleza,leibliche Schwester von M. Concepción, die gemeinsam mit den übrigenAngehörigen beim Gitter des unteren Chors wartete, rief aus: "Ich habe mirschon gedacht, daß es Maria nicht gefallen würde, in diesem Sarg begraben zuwerden!". Sie bezog sich darauf, daß er aus einem kunstvoll geschnitztenund nicht gerade billigen Holz bestand. Es war tatsächlich so, doch hatten sienichts anderes zur Hand.

Derandere Sarg wurde gebracht, er war vermutlich furniert, äußerst armselig undeinfach und außerdem beschädigt, denn die Feuchtigkeit hatte den Deckel sogewölbt, daß er sich nicht schließen ließ. Wir betteten sie in diesen, und sofort veränderte sich, 42 Stunden nachihrem Tod, ihr Gesicht. Der ein wenigernste Ausdruck, den es in der Stunde ihres Todes angenommen hatte, verwandeltesich in ein wunderbares und unvergeßliches Lächeln, so daß uns schwer fiel, siebegraben zu müssen. Wir alle begannen, sie anzustarren und riefen aus: Wiehübsch ist sie! Sie lacht, sie lächelt jetzt; wie wundervoll! Wir verstandenauch, warum sie lächelte: Sie wollte auf dem Karmel mit den einfachsten,ärmlichsten und unbrauchbarsten Dingen leben; und genau so wollte sie auchbegraben werden. Es war ihr letztes Lächeln auf dieser Welt.

Obwohlwir hoffen, daß unsere so sehr geliebte Mutter bereits die himmlische Seligkeitgenießt, bitten wir dennoch um Fürbitten für sie, wie es bei uns Brauch ist,   denn anstatt einen Brief über ihr tugendhaftesLeben zu verschicken, hätte sie gewollt, daß wirdas Briefporto in Messen investieren.

Beten auch Sie für diese Gemeinschaft und für ihre kleineSchwester

                        MaRosa del N. Jesús y S. José, i.c.d, Priora

Deutsche Übersetzung - Traducción alemana:

Gabriele Schneider, Viena – Austria

Mit Hilfe vom - Con la ayuda del

P. Salvador CabotRosselló, franciscano TOR, Palma de Mallorca

3 de enero de 2007

DIE UNBESCHUHTEN KARMELITINNEN DER